BAU DES HEIZWERKS BÄRNBACH IN REKORDZEIT: DREI MONATE VOM PLAN ZUR INBETRIEBNAHME

Autor: Patricia Pfister , 17.10.2016

Prägten Braunkohlevorkommen einst die energiewirtschaftliche Entwicklung des Bezirks Voitsberg, so lässt die Region nun mit ihrem Investment in Energiegewinnung mittels Biomasse aufhorchen.

Die nachhaltige Naturreserve Holz wärmt seit Anfang des Jahres weitere 4.700 Kunden der Energie Steiermark – das in nur drei Monaten realisierte Biomasse- Heizwerk in Bärnbach speist seine erzeugte Wärme ausschließlich in das Fernwärmenetz des steierischen Anbieters ein.

Die Bezeichnung „Grünes Herz Österreichs“ hat die Steiermark redlich ­verdient: Intakte, lebendige Naturlandschaften prägen das zweitgrößte Bundesland Österreichs – das gilt unter anderem auch für den weststeirischen Bezirk Voitsberg. Doch das war nicht immer so. Braunkohlenvorkommen führten im 19. Jahrhundert zwar zu wirtschaftlichem Aufschwung des Bezirks, doch die frühere industrielle Nutzung des Gebietes durch Kohlebergbau haben Spuren hinterlassen. Zum Glück hat der Raubbau an der Natur keine bleibenden großräumigen Schäden bewirkt. Die Abraumhalden der Bergwerke sind verwachsen, die Braunkohletagebaue, wie etwa Oberdorf bei Voitsberg, sind renaturiert, das Braunkohlekraftwerk Voitsberg wurde 2006 abgestellt. Spätestens mit der Verabschiedung des Kyoto-Protokolls am 11. Dezember 1997 wird die Braunkohle endgültig als Klimakiller Nummer eins identifiziert. Von allen fossilen Brennstoffen hat sie die schlechteste Klimabilanz. Seither hat ein umgreifendes Umdenken eingesetzt: Der Bezirk Voitsberg setzt nun vielmehr auf eine nachhaltige Energiereserve der Natur: Holz.

Nachhaltiger Rohstoff Holz sorgt für CO2-Einsparung von 2.200 Tonnen
Die waldreiche Region setzt auf den nach­haltigen Rohstoff und erzeugt Wärme mit Biomasse. Einer der Pioniere ist Ing. Franz Penz, Geschäftsführer der Ökoenergie Penz. „Wir setzen seit 25 Jahren auf erneuerbare Energie. Bereits im Jahr 1990 haben wir das erste Heizwerk in Betrieb genommen. Projekte wie Wasserkraft, Photovoltaik und Biogas folgten. Weitere sind geplant. Nachhaltiges, umweltfreundliches Wirtschaften ist uns wichtig“, beschreibt er den Werdegang seines Unternehmens. Mit dem Biomasse-Heizwerk in Bärnbach, einer Gemeinde im Bezirk Voitsberg, folgte ein weiterer Beitrag für die umweltfreundlicher Energiegewinnung. In einer Rekordbauzeit von nur drei Monaten wurde das Heizwerk aus der Baugrube hochgezogen, mit Dezember letzten Jahres liefert es Wärme ausschließlich für das Fernwärmenetz der Energie Steiermark. „Wir werden von diesem Werk jährlich zehn Millionen ­Kilowattstunden saubere Fernwärme in unser Netz einspeisen und 2.200 Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen. Unser Ziel ist es, die Wärmeerzeugung regionaler, ökologischer und grüner zumachen“, so DI Christian Purrer, Vorstands­sprecher der Energie Steiermark. Im Großraum Köflach, Voitsberg und Bärnbach werden rund 4.700 Kunden mit Fernwärme der Energie Steiermark versorgt.

Ausschließlich Unternehmen aus der Region für Biomasse-Projekt engagiert
Regionalität hatte bei dem Projekt oberste Priorität. Das Biomasse-Heizwerk mit einem Investitionsvolumen von rund zwei Millionen Euro wurde laut Eigentümern ausschließlich mit Unternehmen aus der Region errichtet. So verfügt es über einen Biomassekessel mit einer Leistung von 3 MW vom Bärnbacher Traditionsunternehmen Binder Energietechnik. Die Standortfrage war für den Betreiber dadurch rasch geklärt: „Dass wir uns in der Nähe der Firma Binder Energietechnik an­siedeln, war ein weiterer Schritt zum logischen Gesamtkonzept.“ Außerdem ist natürlich ein Standort in der Nähe der Abnehmer immer von Vorteil. „Die Binder Energietechnik steht für zuverlässige umweltfreundliche Wärme und ist somit der optimale Partner für das neue Biomasseheizwerk in Bärnbach. Gemeinsam leisten wir hier durch die Nutzung erneuerbarer Energie einen weiteren wichtigen Beitrag für eine nachhaltige Energie­zukunft und steigern gleichzeitig die regionale Wertschöpfung“, erklärt DI Dr. Morteza ­Fesharaki, Geschäftsführer Binder Energietechnik GmbH.

Hackgut stammt aus  dem familieneigenen Sägewerk von Penz
Nicht nur der Heizkessel stammt aus der Umgebung, sondern auch das zu verheizende ­Material: Als Brennstoff wird Hackgut direkt aus der Region verwendet. „Erst der Überschuss an Biomasse in der Region war die Grundlage für diese Idee“, erklärt Ing. Franz Penz, was den Anstoß zur Umsetzung der Biomasseanlage gab. Das Hackgut kommt aus dem Sägewerk des Familienbetriebs, das regionalen Forstwirten den „ganzheitlichen Verkauf“ von Holz anbieten kann – also inklusive dem als Nebenprodukt anfallendem Hackgut.

Spezielle Anlage kann nasses und energiearmes Heizmaterial gut verarbeiten
Seit über 30 Jahren entwickelt Binder Bio­masse­anlage für Industrie und Gewerbe und kann somit Erfahrung und Know-how für ­einen reibungslosen Betrieb gewährleisten. Dabei kommt der Innovationsgeist nicht zu kurz: Mit der von dem Kesselexperten speziell entwickelten Anlage kann sehr nasses und energiearmes Material verheizt werden, wobei sogar ein Wassergehalt von 55 Prozent und mehr möglich ist.

Steigerung von CO2-Einsparung im Vergleich zur alten Fernwärmeversorgung
Durch das neue Biomasse-Heizwerk kann der  Kohlenstoffdioxid-Ausstoß erheblich gegenüber der alten Fernwärmeversorgung verringert werden. Rund 2.200 Tonnen Kohlen­dioxid können so pro Jahr eingespart werden. „Für diese Menge müssten rund 10.000 Menschen auf Elektro-Autos umsteigen“, zieht Morteza Fesharaki, Geschäftsführer Binder Energietechnik GmbH einen Vergleich.

5 Monate Betrieb pro Jahr: mehr zeit für Weiterentwicklungen
Der Anlagenhersteller und Betriebsführer achtet bei der Heizungsanlage immer auf einen effektiven Energieverbrauch aller Komponenten. Motoren, Pumpen & Co. wurden so energiesparend wie möglich ausgelegt. Da das Bärnbacher Heizwerk etwa fünf Monate im Jahr im Betrieb ist, hat Binder Energietechnik die Möglichkeit, die verbleibende Zeit die ­Anlage für Weiterentwicklungen und Forschung zu nützen – so können immer bessere Emissionswerte erzielt und für die Betreiber Kosten gespart werden. Eine große Besonderheit der Binder Feuerungsanlagen ist die Gestaltung der Brennkammer mit wasserführenden Seitenwänden. Darch diese durchdachte Kon­struk­tionsweise wird zum einen die Schamottierung im Inneren der Brennkammer durch die Kühlwirkung geschont und zum anderen werden anfallende Abstrahlverluste minimiert, da als Kühlwasser der Kesselrücklauf genutzt wird.

Anlagenbauer übernimmt komplette Betriebsführung der Anlage
Der Anlagenbauer Binder Energietechnik hat die komplette Betriebsführung der Heizanlage übernommen. So werden alle Reinigungs- und Wartungsarbeiten vom Bärnbacher Unternehmen durchgeführt. Ein weiterer Punkt, der für den einfach Betrieb des Heizwerks sorgt, ist die Fernsteuerung per PC & Co.: Die Anlage komplett ferngesteuert werden, so hat der Betreiber immer den Überblick über alle Komponeten. Dank eine Brennraumkamera und der Fernwartung kann sofort auf alle Eventualitäten reagiert werden. Die Ökoenergie Penz kann so sorgenfrei auf eine betriebssichere Zukunft blicken.

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Heizwerk Penz CMYK

 

Die erzeugte Energie aus dem Biomasse-Heizwerk Bärnbach wird ausschließlich in das Fernwärmenetz der Energie Steiermark eingespeist und versorgt 4.700 Kunden mit umweltfreundlicher Wärme.

Foto: Binder

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Die Montage der Heizungsanlage.

Foto: Binder

Heizerk Penz Kesselanlage CMYK

 

Der Kessel der Anlage verfügt über eine Leistung von 3.000 kW und sorgt für eine Einsparung von 2.200 Tonnen CO2.

Foto: Binder

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Binder Energietechnik lieferte nicht nur die komplette Heizungsanlage, sondern sorgt auch in Zukunft für einen reibungslosen Betrieb: Die Reinigungs- und Wartungsarbeiten werden von dem Bärnbacher Unternehmen durchgeführt.

Foto: Binder

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Freuen sich über die gelungene Kooperation zwischen Energie Steiermark und Ökoenergie Penz: (v.l.n.r.) Mag. (FH) Bernd  Osprian (Bürgermeister Stadt Bärnbach), DI Gerald Moravi (Geschäftsführer Energie Steiermark Wärme GmbH) DI Dr. Morteza Fesharaki (Geschäftsführer Herz/Binder), Ing. Franz Penz (Geschäftsführer Ökoenergie Penz GmbH), Dr.  Gerhard Glinzerer (Eigentümer Herz-Gruppe)

Foto: Stiboller Heinrich