speichersee-kühlung mittels schneilanzen- einsatz sorgt für effektivere beschneiung

Autor: Patricia Pfister , 05.03.2018

Oft scheitert die Beschneiung nicht an zu hohen Außentemperaturen, sondern am zu warmen Wasser im Speichersee. Da hieß es bislang abwarten, bis die Wassertemperaturen weiter fallen.

Oder kostspielige und zeitintensive Methoden in Anspruch nehmen. Eine gute Alternative dazu hat 2SNOW, eine Marke von Schubert Elektroanlagen, entwickelt: Durch die Produktion von nicht für die Piste geeigneten Schnee kühlen die Schneeerzeuger selbst das Schneiwasser direkt im See oder über vorgeschaltete Kühlbecken.

Längst sind die ersten Ski-Openings in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz über die Bühne gegangen, doch für pulvriges Weiß auf den Pisten sollten sich Skiliftbetreiber lieber nicht auf Langzeit­prognosen zum erhofften Wintereinbruch verlassen. Deshalb sind alle größeren Wintersport­regionen mit modernen Beschneiungsanlagen, wie etwa mit Schneilanzen, ausgestattet. Doch auch der Technik sind Grenzen gesetzt. Besonders vor dem Start in die Hauptsaison – und das in jeglichen Höhenlagen – eine leider allzu bekannte Situation: Die Lufttemperaturen sinken unter den Gefrierpunkt, doch für einen pünktlichen Saisonstart ist das Wasser in den Speicherseen zu warm. Selbst bei Außentemperaturen von -2 °C Feuchtkugeltemperatur (FK), können anhaltende Wassertemperaturen von über 7 °C die Produktion von qualitativ hochwertigem Schnee verhindern. Da heißt es bei konventionellen Beschneiungsanlagen abwarten, bis die Thermometeranzeige weiter fällt. Diese Schnei-Lösungen funktionieren erst ab -4 °C FK und weniger. Um das Wasser schnellstmöglich zu kühlen, standen bis jetzt nur zwei energie- und zeitintensive Methoden zu Verfügung: die Vorbehandlung des Schneiwassers durch das langwierige Umwälzen zigtausender Kubikmeter oder den Einsatz von Kühltürmen an den Pumpstationen. Eine zeiteinsparende und einfache Alternative bietet 2SNOW, eine Marke von Schubert Elektroanlagen: Schneilanzen produzieren kalten Sprühnebel und qualitativ minderen Schnee und kühlen so das Wasser ab. Dem zugrunde liegt das physikalische Prinzip der Schmelzenthalpie, oder auch Schmelzwärme genannt. Diese Abkühlvariante, die laut Schubert Elektroanlagen patentiert ist, ist in mehreren Punkten effektiver als die konventionellen Methoden: Es wird Zeit und auch der finanzielle Aufwand verringert, gleichzeitig nutzt man mit den Schneilanzen und den dazugehörigen Pumpen eine Technik, die bereits vorhanden ist. Ausschlaggebend für eine funktionierende und im Vergleich zu den herkömmlichen Verfahren effizientere Abkühlung ist der Kühleffekt von Schnee und kalten Sprühregen. Dabei macht sich 2SNOW die hohe Kühlleistung von eigens zur Wasserkühlung produzierten Schneematschs zunutze oder setzt auf die „gespeicherte“ Kühl­energie vorrätiger Schneereserven der Vorsaison.

Einfache Handhabung
In der Praxis gestaltet sich die Kühlung mit dem Beschneiungssystem sehr einfach: Die Schneilanzen werden um den Speichersee herum positioniert. Schon der Sprühregen ver-spricht bessere Ergebnisse beim Kühlen als ein Umwalzen der Wassermassen bei Temperaturen oberhalb des Gefrierpunkts. Noch gesteigert wird der Kühleffekt bei Minusgraden: Durch die Kristallisation der Wassertröpfchen bei Lufttemperaturen von -1 bis -3 °C FK wird der Umgebungsluft sehr viel Kälte­energie entzogen und im Speichersee wieder abgegeben. Dieser Schnee minderer Qualität ist natürlich unbrauchbar für die Skipiste, kühlt allerdings beim Schmelzen effizient das Wasser im Speichersee. Diese Kühlvariante ist wesentlich effektiver als jene im Kühlturm – ganze fünf- bis zehnmal mehr Kälteenergie wird bei dem Vorgang der Umgebungsluft entzogen. Ergebnis dieser höheren Leistung ist ein erheblich schnelleres Abkühlen des Speichersees und wesentlich geringere Investitionskosten. 2SNOW rechnet mit einer vier- bis fünffachen Effizienzsteigerung. Diese Saison wird das Verfahren erstmals in der Praxis bei laufenden Winterbetrieb in mehreren Skigebiete getestet, nach Begutachtung deren Ergebnisse lassen sich dann konkrete Angaben machen.

Vorgelagertes Kühlbecken nutzen
Bei einem weiteren 2SNOW-Verfahren werden um ein aus dem Speichersee gespeistes Kühlbecken Schneilanzen positioniert, die bei -1 bis -2 °C FK den produzierten Schneematsch direkt aus und in das warme Beckenwasser schneien lassen. Als Beispiel rechnet 2SNOW mit einer Wassertemperatur von 10 °C und einer für eine Pumpenkapazität von 100 l/sec notwendige Wassermenge von 360 m³/h mit einer Gruppe von 10 seiner durchsatzstarken TRIDUSA-Dreifachkopflanzen, damit die Wassertemperatur innerhalb einer Stunde dauerhaft auf für eine produktive Pistenbeschneiung geeignete Temperatur von  0,6 °C gebracht wird.

Auch der „Schnee von gestern“ kann zur Kühlung genutzt werden
Außerdem kann für das Abkühlen gespeicherte Kälteenergie aus dem Schnee der Vorsaison genutzt werden – wobei es egal ist, ob vorsorglich genug Schnee produziert wurde für diesen speziell Gebrauch oder ob ein schneereicher Winter vorangegangen ist, und gegen Ende der Saison Schnee eingelagert werden konnte. Noch vorhandener Rest­schnee überdauert mit entsprechender Ab­deckung sogar den Sommer, mit relativ geringen Verlusten von 10 bis 30 Prozent der Schneemasse. Der Altschnee wird bei Erreichen der notwendigen Schneitemperatur von -1 bis 2 °C FK in den Speichersee oder das vorgeschaltete Kühlbecken eingebracht, durch das Schmelzen fällt die Wassertemperatur dann sehr rasch.

Das System kann natürlich auch für eine wesentlich effizientere Kühlanwendung in Industriebetrieben, wie etwa in Brauereien, in der Metallindustrie und vielen weiteren Branchen, eingesetzt werden, indem für den erzielten Kühlvorgang zum Beispiel Deponieschnee zugemischt wird.

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