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Winterdienst in der Schweiz: Fast zweimal um die Welt Kehren, Räumen, Fräsen, Streuen

72.000 Kilometer entsprechen fast zwei Erdumrundungen – oder dem gesamten Schweizer Straßennetz. Damit auf diesem auch im Winter der Verkehr problemlos fließen kann, ist ein durchdachter Winterdienst gefragt.

Mit Schneefrässchleudern, Räumschildern und Streugeräten sowie passenden leistungsstarken Trägerfahrzeugen rüsten sich Straßenerhalter sowie Gemeinden für die unterschiedlichen Winterdiensteinsätze.

Genau 1.855 Kilometer Nationalstraßen, davon 1.458 Kilometer Autobahnen und weitere 17.843 Kilometer Kantonsstraßen und 51.859 Kilometer Gemeindestraßen: Das Schweizer Straßennetz mit knapp 72.000 Kilometern entspricht fast zwei Erdumrundungen. Als wäre die schiere Masse an Strecken, die zu versorgen sind, nicht genug, stellt sich jedes Jahr die Frage, wann der Winter kommt. Ein dichtes Netz an Straßenwetterstationen sowie die Prognosen des Schweizer Wetterdienstes sollen helfen, doch eine exakte Planung ist kaum möglich. Während im Sommer die Verkehrslage Staus verursacht, wird in der kalten Jahreszeit die Schuld schnell beim Winterdienst gesucht. Dabei ist eine perfekte Vorbereitung auf unvorhergesehene Wetterkapriolen schlicht nicht realisierbar. Kommunen können lediglich dafür sorgen, dass die technische Ausrüstung stimmt. Vom Kehren, Räumen, Fräsen und Streuen – ein winterlicher Überblick.    

Der Fuhrpark: Was Geräteträger können müssen    
Zunächst benötigen Kommunen passende Geräteträger für ihre Anbaugeräte. Im Einsatz sind Fahrzeuge für den Gehweg und für die Straße, die idealerweise so konzipiert sind, dass sie Anbaugeräte für verschiedene Funktionen wie Kehren, nassreinigen oder Winterdienst aufnehmen können. Auch sollte darauf geachtet werden, dass ein Wechsel zwischen verschiedenen Anbaugeräten schnell erfolgen kann. Für den Winterdienst brauchen die Fahrzeuge Allradantrieb, und es muss die Möglichkeit bestehen, Schneeketten zu montieren. Die Sicherheitskennzeichnung muss der DIN-Norm 30710 (Allradantrieb) entsprechen.    

Die verschiedenen Varianten des Räumens: Passende Anbaugeräte    
Beim Schneeräumen gibt es zwei mögliche Zielsetzungen. Bei der Weißräumung wird der Neuschnee zur Seite geschoben und der restliche Schnee festgefahren. Auf diese feste Decke wird Streugut aufgebracht. Demgegenüber steht die zeitintensivere Schwarzräumung, bei der die Fahrbahn komplett von Schnee und Eis befreit wird. Ist eine schwarzgeräumte Straße gewünscht, bietet sich als Anbaugerät eine Frontkehrmaschine mit Schneekehrwalzen an. Die elastischen Räumelemente passen sich dem unebenen Straßenuntergrund an, sodass ein sehr gutes Ergebnis erzielt wird und bis zu 40 Prozent Streugut eingespart werden können. Allerdings ist ein frühzeitiger Einsatz notwendig, da verdichteter Schnee nicht gelöst werden kann und auch die Schneehöhe begrenzt ist.Im Gegensatz dazu schafft das Pflugräumen mittels einer Pflugschar die Möglichkeit, den Schnee selbst bei großen Schneehöhen von der Straße zu schieben. Auch bei einer hohen Räumgeschwindigkeit lässt sich selbst fester Schnee lösen. Von Nachteil ist beim Pflugräumen, dass der auf die Seite geräumte Schnee stark verdichtet wird und somit langsamer abtaut. Auch kann der Untergrund je nach Härtegrad der Schürfleiste beschädigt werden. Für große Schneehöhen, wo die Scharhöhe eines Schneepflugs nicht mehr ausreicht, ist schließlich die Schneefräse das geeignete Gerät. Rotierende Werkzeuge erfassen den Schnee, beschleunigen und werfen ihn gezielt aus. Die Arbeitsgeschwindigkeit liegt in diesem Fall bei 0,5 bis 4 km/h, die Wurfweite bei bis zu 40 Metern.    

Was bei der Wahl der Streumaschine zu beachten ist    
Wie beim Räumen, gibt es auch beim Streuen zwei verschiedene Möglichkeiten. Auftauende Streustoffe mit flächenhaftender Wirkung lassen das Eis zu Wasser schmelzen. Das Ergebnis ist eine zunächst feuchte Fahrbahn, auf der im trockenen Zustand Restsalz verbleibt, das erneutes Anfrieren verhindert. Abstumpfende Streustoffe wie Split, Brechsand oder Granulat werden in die Schneedecke gedrückt und erhöhen den Reibungswiderstand der Oberfläche, haben aber keine dauerhafte Wirkung. Streumaschinen variieren je nach      gewünschtem Ergebnis und eingesetztem Streustoff in Behälterform, Antrieb, Streustoffförderung und anderen Parametern. Um zu entscheiden, welche Maschine passt, sind folgende Fragen wesentlich:    
- Welche minimale/maximale Streubreite ist erforderlich?  
- Welche Streustrecke/Fläche wird bewältigt?    
- Welche Ladekapazität hat das Fahrzeug?    
- Welcher Streustoff wird verwendet?    
- Soll Salz befeuchtet werden?    

Dabei ist zu beachten, dass Touren der höchsten Dringlichkeitsstufe eineinhalb Stunden dauern können und in dieser Zeit bei maximaler Streudichte kein Nachladen erforderlich sein darf. Die Maschinen müssen korrosionsbeständig sein, was sich beispielsweise durch den Verbau von Komponenten aus Kunststoff sowie Stahlkonstruktionen mit geeigneter Lackierung und Korrosionsschutz erreichen lässt. Aus ökologischen wie wirtschaftlichen Gründen ist es wichtig, dass auch bei variierender Geschwindigkeit eine gleichmäßige Streudichte erreicht wird und die Dosierqualität sich an Glätte und Witterung anpasst.    

Streumaschinen im Überblick: Walzenstreuer, Tellerstreuer & mehr    
Um diese Ziele zu erreichen, sind am Markt verschiedene Streuvorrichtungen erhältlich. Anbau- und Anhängewalzenstreuer sind von der Bauform her kompakt, so dass sie häufig zur Gehwegreinigung eingesetzt werden. Sie bringen problematische Streustoffe sicher aus, schleudern kein Streumaterial weg und bieten eine Nachlademöglichkeit von der Ladefläche des Fahrzeugs aus. Dank der fixierten Streubreite stellen sie eine längere Einsatzdauer sicher. Anbau- und Anhängertellerstreuer haben eine Streubreite von circa 70 Zentimetern bis zu sechs Metern. Durch diese hohe Flexibilität lassen sie sich auf Gehwegen ebenso einsetzen wie auf großen Plätzen und Flächen. Zu beachten ist lediglich, dass bei großen Streubreiten die Streudauer reduziert wird. Ein großes Behältervolumen, hohen Bedienkomfort, hohe Dosiergenauigkeit und eine kompakte Bauweise bieten Aufsatzstreumaschinen. Die massgeschneiderten Geräte sind im Verhältnis jedoch relativ teuer und brauchen längere Rüstzeiten. Feuchtsalzstreuer schließlich verfügen zusätzlich zum Trockenstoffbehälter über Sole-Tanks. Auf dem Streuteller werden Trockensalz und Sole durchmischt, so dass von Sole umschlossene Salzkörner ausgeworfen werden. Auch bei unterschiedlichen Streubreiten, Streudichten und Fahrgeschwindigkeiten wird das Gemisch gleichmäßig auf die Fahrbahn aufgebracht, um seine Wirkung zu entfalten.


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