Abwärme der Müllverbrennungsanlage Arnoldstein heizt villach ein

Autor: Patricia Pfister , 27.01.2020

Seit September 2018 deckt die KELAG Energie & Wärme GmbH (KEW) die Hälfte des Bedarfes ihrer Wärmekunden in der Stadt Villach mit Abwärme aus der Müllverbrennungsanlage der KRV in Arnoldstein.

Nach 15 Monaten Bauzeit wurde die 16 km lange Fernwärmetransportleitung von Arnoldstein nach Villach in Betrieb genommen.

Um pro Jahr rund 100 Millionen Kilowattstunden Wärme von Arnoldstein nach Villach zu transportieren, wurde eine 16 Kilometer lange Fernwärmetransportleitung verlegt, das entspricht etwa der Hälfte des Fernwärmebedarfes in der Draustadt. „Die Inbetriebnahme dieser Leitung bedeutet für uns einen Meilenstein“, sagt Adolf Melcher, Geschäftsführer der KEW. „Mit der Abwärme aus der Müllverbrennungsanlage können wir rund 90 Prozent des Wärmebedarfes in Villach aus regenerativen Quellen decken, Erdgas setzen wir nur noch zur Spitzenabdeckung und als Ausfallsreserve ein. Nun pumpen wir Abwärme aus der Müllverbrennung in Form von 130 Grad Celsius heißem Wasser mit einem Druck von 25 bar von Arnoldstein nach Villach.“ Weitere Primärenergiequellen für die Fernwärme in Villach sind Abwärme der Industrieanlage Omya in Weißenstein, Abwärme aus einem privaten Biomassekraftwerk, Wärme aus dem Biomasseheizwerk der KELAG Energie & Wärme GmbH sowie im geringeren Ausmaß Deponiegas und Solarenergie.  
 
Wärmeauskopplung in der KRV    
Die KRV nutzt die Energie des Hausmülls nun anders als vorher, erläutert Geschäftsführer Günter Zellinger. „Bis heute haben wir in erster Linie Strom produziert. Nun erzeugen wir deutlich weniger Strom, dafür aber viel mehr Wärme, sodass wir nicht nur – wie bisher – die Fernwärme in Arnoldstein versorgen, sondern auch halb Villach. Dadurch verdoppelt sich der Brennstoffnutzungsgrad unserer Anlage auf mehr als 50 Prozent.“ Die KRV wird pro Jahr rund 8.000 Stunden Wärme für Villach bereitstellen, im Winter mit einer Leistung von 19 Megawatt (MW). „In der Übergangszeit und im Sommer werden wir zwischen 6 und 10 MW liefern und in diesen Monaten Vollversorger der Fernwärme in Villach sein“, erläutert Zellinger.    

Neue Fernwärme-Übergabestation in Villach-Warmbad    
Im früheren Heizwerk Warmbad Villach wurde die Übergabestation zwischen der Fernwärmetransportleitung und dem Verteilnetz errichtet. Dafür wurden hier vier Wärmetauscher mit einer Gesamtleistung von 19 MW installiert sowie drei Pumpen. Vorzeitig fertig gestellt wurde die Verbindung von Villach-­Warmbad Richtung Infineon. Diese Fernwärmeleitung wurde im vergangenen Jahr verlegt, sie stellt im Villacher Fernwärmenetz eine Ringversorgung sicher. Mit diesem Ringschluss wurde die Sicherheit der Versorgung für die Abnehmer verbessert, da nun von zwei Richtungen aus versorgt werden kann.     

Größte Einzelinvestition der KEW    
Die Gesamtinvestitionskosten für dieses Projekt betragen rund 17 Mio. Euro. Eine Mio. Euro investierte die KRV in den Umbau ihrer Anlage, um Wärme für die Fernwärme Villach auskoppeln zu können. Der große Restbetrag wurde von der KEW in die Fernwärmetransportleitung nach Villach, in die Wärmeübergabestation in Warmbad und in Netzanpassungen investiert. „Jede Investition muss sich betriebswirtschaftlich rechnen, das gilt natürlich auch für diese Fernwärmetransportleitung, die größte Einzelinvestition, die unser Tochterunternehmen KELAG Energie & Wärme GmbH jemals getätigt hat“, betont Armin Wiersma, Vorstand der Kelag. „Wir freuen uns, dass unser Projekt in hohem Maß den nationalen und europäischen Klimaschutzzielen entspricht, deswegen wird es auch vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, vom Bund und vom Land Kärnten unterstützt.“ Mit der Nutzung der Abwärme der Müllverbrennungsanlage ist das Konzept, Villach mit möglichst grüner Wärme zu versorgen, vorläufig abgeschlossen. Außerdem ermögliche die Abwärme aus Arnoldstein weiteres Wachstum in Villach. Das Wärmeverteilnetz der KEW in Villach umfasst mehr als 100 km mit rund 1.000 Anschlüssen. Der Wärmeabsatz in der Stadt Villach beträgt rund 200 Mio. kWh, das entspricht dem Bedarf von etwa 25.000 Haushalten. Für die Leitung wurden 50.000 m3 Erdreich ausgehoben, 24.000 m3 Sand verarbeitet und 32.000 m Rohrleitung verlegt und verschweißt – mit mehr als 2.000 Schweißnähten.    
    
Strategischer Partner im Energieland Kärnten
Erich Kessler, Bürgermeister der Marktgemeinde Arnoldstein, blickt zurück: „Wer hätte sich vor 25 Jahren gedacht, dass aus dem krisengebeutelten Industriestandort Arnoldstein – nach dem Niedergang der verstaatlichten Industrie – einmal grüne Energie in die zweitgrößte Stadt Kärntens fließen wird? Die Gemeinde zeigt sich nicht nur als e5-Gemeinde, Klimabündnis-Gemeinde und Naturpark-Gemeinde sehr energiegeladen, sondern hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit der Kelag auch fünf Großprojekte umgesetzt.“ Kessler nennt hier die Fernwärmeversorgung von Arnoldstein und Gailitz, den Bau des Laufkraftwerkes Gailitz, den Bau der Gasleitung von Villach zum Industrie­standort Arnoldstein, die Verlegung  der Fern­wärmetrans­port­leitung nach Villach und ak­tuell die Erneuerung und Sanierung des Gailkraftwerkes Schütt. „Diese Kooperationsprojekte bedeuten eine Aufwertung für unsere Marktgemeinde. Ich stelle mit Fug und Recht fest, dass Arnoldstein ein strategisch wichtiger Partner im Energieland Kärnten ist.“    

„Grüne Energie“ als Standortfaktor    
Günther Albel, Bürgermeister der Stadt Villach und Geschäftsführer der Kärntner Entsorgungsvermittlungs GmbH (KEV), betont die hervorragende Zusammenarbeit mit der Kelag. Er wertet die neue Energiequelle für die Fernwärme in Villach als großen Schritt: „Villach ist Österreichs nachhaltigste Stadt. Für unser ernsthaftes Bestreben, dies auch zu bleiben, ist Fernwärme ein enorm wichtiger Faktor. Denn der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur hat längst auch eine wirtschaftspolitische Komponente, er hat sich zu einem relevanten Standortfaktor entwickelt.“

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Um pro Jahr rund 100 Millionen Kilowattstunden Wärme von Arnoldstein nach Villach zu transportieren, wurde eine 16 Kilometer lange Fernwärme-Transportleitung verlegt, das entspricht etwa der Hälfte des Fernwärmebedarfes in der Draustadt.

Foto: KEW

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Für die Leitung wurden 32.000 Meter Rohrleitung verlegt und verschweißt – mit mehr als 2.000 Schweißnähten.

Foto: KEW

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Wärme- statt Stromerzeugung: Die Nutzung der Abwärme der Müllverbrennungsanlage für die Fernwärme ist energietechnisch äußerst sinnvoll, es wird nun ein viel höherer Brennstoffwirkungsgrad von mehr als 50 Prozent erreicht.

Foto: KEW

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Das Wärmeverteilnetz der KEW in Villach umfasst mehr als 100 km mit rund 1.000 Anschlüssen.

Foto: KEW