DURCH SEKTORKOPPLUNG WIRD IN OBERWART ÜBERSCHÜSSIGER STROM AUS ERNEUERBAREN QUELLEN IN FERNWÄRME umgeWANDELT

Autor: Patricia Pfister , 01.02.2021

Der nachgefragte Strombedarf und die zeitgleich vorhandene Strommenge aus erneuerbaren Energiequellen decken sich häufig nicht. So kommt es bei der Erzeugung von Strom aus Windkraft und Photovoltaik ...

... immer wieder zu Überkapazitäten, die nicht verbraucht werden können. In diesem Fall sind nun andere intelligente Nutzungsmöglichkeiten gefragt. So wird im neuen Biomasseheizwerk der Energie Burgenland in Oberwart zu viel vorhandener Strom aus erneuerbaren Energiequellen mithilfe einer Power-to-Heat-Anlage in Fernwärme umgewandelt, die der Beheizung öffentlicher Gebäude und privater Haushalte dient.

Der Klimawandel ist auch in Österreich angekommen. Daher hat Österreich das Pariser Klima-Abkommen ratifiziert und sich verpflichtet, es auch einzuhalten. Dies bedeutet eine massive Veränderung in der Energiebereitstellung: Ausstieg aus Fossilenergie und Aufbau eines effizienten, von erneuerbaren Energiequellen versorgten Systems bis 2040. Dazu müssen ab 2020 die CO2-Emissionen um zumindest vier Mio. Tonnen jährlich auf unter 60 Mio. Tonnen  im Jahre 2025 zurückgehen. Um dies zu erreichen, ist nicht nur der Ausbau von erneuerbarer Energie, sondern auch die Frage der intelligenten und optimalen Nutzung dieser nachhaltigen Energie wichtig geworden. Eine tragende Rolle in der Energiewende spielen dabei Wind- und Sonnenstromanlagen, die jedoch häufig zu wenig oder zu viel Strom produzieren. Wenn das Angebot von Solar- und Windstrom die Nachfrage nach Öko­strom übersteigt, sind also alternative Verwendungsoptionen gefragt – Stichwort Sektorkopplung. Das bedeutet, dass mit dem überschüssigen erneuerbaren Strom Wärme erzeugt wird, die wiederum in Fernwärmenetze eingeleitet werden kann.    

SEKTORKOPPLUNG MITTELS POWER TO HEAT    
Gerade weil die Sektorkopplung Synergieeffekte bei der Integration von hohen Anteilen erneuerbarer Energien ermöglicht, wird sie als Schlüsselkonzept bei der Energiewende und dem Aufbau von intelligenten Energiesystemen mit 100 Prozent erneuerbaren Energien betrachtet. Als wind- und sonnenenergiereiches Bundesland kommt dem Burgenland hier eine bedeutende Rolle zu. Schon seit langem wird hier der Ausbau von Wind- und Photovoltaikanlagen forciert. Um größere ­Flexibilität in der Verwendung des erneuerbaren Stroms zu erlangen, bieten sich mittels „Power-to-Heat“ Anlagen neue Wege im Strom-Management an. Eine solche wurde mit einer Leistung von 350 kW im neuen Biomasseheizwerk der Energie Burgenland in Oberwart verwirklicht. „Überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energieerzeugungsanlagen kann hier – in Wärme umgewandelt – dem Fernwärmenetz zugeführt werden“, erklärt DI Wolfgang Artner, der als Projektleiter des Büros für Erneuerbare Energie – Ing. Leo Riebenbauer GmbH, für das Heizwerk in Oberwart verantwortlich zeichnet. Darüber hinaus kann die mit Strom produzierte Wärme auch in einem 200.000 Liter großen Puffer zwischengespeichert werden, der als Lastausgleich und zur Spitzenlastabdeckung dient.

INTELLIGENTE NUTZUNG VON ÜBERSCHUSSSTROM IM BURGENLAND    
Dass die Nutzung von Überschussstrom aus erneuerbaren Energiequellen sinnvoll ist, zeigt das Burgenland auf vorbildliche Weise. Anlässlich der Eröffnung des neuen Heizwerks in Oberwart betonte die für Klima- und Umweltschutz zuständige Landesrätin Astrid Eisen­kopf, dass das Burgenland bereits seit 2013 stromautark ist.    

SICHERSTELLUNG DER WÄRMEVERSORGUNG    
Anstoß für die Errichtung des neuen Bio­masse­-­Heizwerks war die Stilllegung eines in der Nähe befindlichen Kraftwerkes. Durch den Neubau der Anlage wird die Wärmeversorgung langfristig sichergestellt. Herzstück des Heizwerkes ist ein Biomassekessel mit einer Leistung von 5 MW, geliefert von der Fa. Binder Energietechnik, einem Tochter-Unternehmen der Herz-Energietechnik in Pinka­feld.   

INNOVATION UND BESTMÖGLICHE RESSOURCENEFFIZIENZ    
Um eine optimale Luftreinhaltung zu gewährleisten, wurde vom oberösterreichischen Umwelttechnikunternehmen Scheuch eine hocheffiziente Entstaubungsanlage installiert. Mit dem Elektrofilter wird die gesetzliche Vorgabe von 20 mg/Nm³ Reingasstaubgehalt um ein Vielfaches unterschritten. So können mit der Anlage von Scheuch Reingasstaubwerte unter 10 mg/Nm³ erreicht werden, was einem wesentlichen Beitrag zur Reduktion der Feinstaubbelastung darstellt. Neben der „Power-­to-Heat“-Anlage, die für die Umwandlung von Überschussstrom in Wärme verantwortlich ist, und dem Elektrofilter, wurde auch in allen anderen Bereichen auf neueste Technik gesetzt. Die vollautomatisierte Leistungsregelung der gesamten Anlage und die teilauto­matisierte Hackgutübernahme tragen dem digitalen Wandel unserer Zeit Rechnung. „Digitalisierung war und ist auch bei diesem Projekt ein wichtiges Thema. So werden Prozesse wie die Holzbestellung und die Holz­übernahme über eine App ermöglicht, optimiert und automatisiert. Das Projekt Heizwerk Oberwart verbindet Ökologie, Ökonomie, Ressourceneffizienz und Innovation. Wir befinden uns damit am Puls der Zeit und am neuesten Stand der Technik“, freut sich Alois Ecker, Vorstandsdirektor der Energie Burgenland. Jährlich werden in der Anlage 3.500 Tonnen Holzhackgut aus einem Umkreis von 50 Kilometern verfeuert. Für den weiteren Ausbau des Fernwärmenetzes, die Lieferung, Montage und Inbetriebnahme von Fernwärmeübergabestationen zeichnet das in Oberwart ansässige Anlagentechnik-­Unternehmen ATG verantwortlich. Durch das neue Biomasse­-Heizwerk werden rund 1.000 Haushalte, sämtliche öffentliche Gebäude der Stadt Oberwart, Schulen, das Landeskrankenhaus und ein örtliches Einkaufszentrum mit nachhaltiger Wärme aus erneuerbarer Energie versorgt.

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Nur rund sechs Monate dauerte die Bauzeit von Baustart bis zur Inbetriebnahme des Biomasse­kessels.

Foto: Energie Burgenland

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3.500 Tonnen Hackgut aus einem Unkreis von 50 km werden in Oberwart in Fernwärme gewandelt.

Foto: Martin Höher_pixelio.de

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Mit einer Leistung von 5 MW versorgt der Biomassekessel von Binder sämtliche öffentlichen Gebäude der Gemeinde sowie 1.000 Haushalte mit Wärme.

Foto: Binder