einmal fahren, zweimal räumen: neue winterdienstlösung für schneefreie Fahrbahnen und gehsteige

Autor: Patricia Pfister , 30.01.2020

Dank des erstmaligen Einsatzes einer neuartigen Technologie konnte der massive Wintereinbruch in der obersteierischen Gemeinde Schladming bestmöglich bewältigt werden.

Geschuldet ist das dem Erfindergeist von Winterdienstspezialisten Kurt Pitzer, der die Idee einer gleichzeitigen Schneeräumung von Straße und Gehsteig ausbrütete. Der Schweizer Winterdiensthersteller Zaugg sorgte mit seinem technischen Know-how für die Umsetzung in die Realität.

Über 300 cm Neuschnee waren in diesem Winter in vielen Gemeinden der Obersteiermark keine Seltenheit. Obschon die schiere Menge der heurigen weißen Massen beachtlich ist, ist vor allem beeindruckend, in welch kurzem Zeitraum der Niederschlag erfolgte – ein Großteil fiel innerhalb von nur 14 Tagen. Gerade recht für diese schneereiche Saison kam die von Kurt Pitzer, Werkstättenleiter des Tiefbauunternehmens Karl Pitzer, ausgetüftelte Winterdienstlösung. Das Unternehmen besorgt gemeinsam mit dem hiesigen Bauhof den Winterdienst in der steirischen Gemeinde Schladming.     

Schneewälle auf Gehsteigkanten    
Das Problem, das Kurt Pitzer beschäftigte, ist vielerorts ein bekanntes: Es ist kaum möglich, Fahrbahnen und Gehwege gleichermaßen schneefrei zu halten. Wird morgens zuerst der Gehsteig geräumt, drängt der anschließend fahrende Schneepflug die Schneemassen wieder auf die zuvor schneefrei gemachten Fußwege – selbst eine äußerst gedrosselte Geschwindigkeit stoppt diesen Effekt nicht. So entstehen regelrechte Wälle an der Gehsteigkante, die zum einen den Gehweg wesentlich verschmälern und zum anderen eine Barriere für Fußgänger beim Überqueren der Straße bedeuten – ein unnötiges Sicherheitsrisiko. Wenn aber der äußerste Rand der Fahrbahn und der Gehweg in einem einzigen Räumgang vom Schnee befreit werden könnten, würde dieser sich nicht mehr an der Gehsteigkante auftürmen. Aus der Überlegung von Kurt Pitzer formte sich bald eine konkrete Idee für die Konstruktion eines Geräts, das durch ein seitlich angebautes Schneeschild die gleichzeitige Fräsenräumung von Gehsteig und Straße ermöglicht. Gemeinsam mit dem langjährigen Partner für den Winterdienst, der Mölltaler Firma Reiter-Luttnig Kommunaltechnik, machte man sich bereits vor geraumer Zeit auf die Suche nach einer neuen Technologie, die dies bewerkstelligen konnte. Das Konzept des Wunschgeräts stand, doch der Umsetzung stand noch ein großes Hindernis im Wege: „Es gestaltete sich als sehr schwierig, ein Unternehmen zu finden, das dieses individuelle Winterdienstgerät nach Wunsch fertigte“, erzählt Robert Luttnig ­ vom betreuenden Kommunaltechnikausstatter Reiter-Luttnig. Nach fehlschlagenden Anläufen, die Idee in die Realität umzusetzen, fand man im letzten Jahr mit dem Schweizer Winterdienstspezialisten Zaugg endlich einen Partner, der sich die Realisation des Kundenwunsches zutraute.

Umfangreiche Wunschliste    
Der technisch versierte Werkstättenleiter Kurt Pitzer, der selbst für die unternehmenseigenen Baustellen-Projekte so manch außergewöhnliche Idee ausfeilt, brachte in das Erstgespräch mit dem für Österreich zuständigen Zaugg-­Verkaufsleiter Benjamin Steiner neben einem ausgereiften und konkreten Konzept einige maßgebliche Anforderungen mit. Grundbedingungen waren: Die Schneefrässchleuder muss auf das bereits bewährte Trägerfahrzeug der Marke Metrac aufbaubar sein, es muss möglich sein, über einen teleskopierbaren Auswurfkamin Lkws mit Schnee zu beladen und soll außerdem möglichst leise arbeiten. Bei dieser Fülle an Bedingungen mussten selbst die Winterdienstprofis von Zaugg „erstmal schlucken“, wie Kurt Pitzer erzählt. Doch wenige Monate Konstruktionszeit später konnte man den hohen Ansprüchen des Winterdienstleisters gerecht werden.    
      
Schneefräse mit verstellbarer Seitenklappe
Dazu wurde eine Schneefrässchleuder des Typs SF72E-70 mit einer zusätzlichen höhenverstellbaren Seitenklappe versehen, die präzise mit der Gehsteigkante abschließt. Hierbei handelt es sich um eine kombinierte Konstruktion mit Fräshaspel und Schleuderrad. Diese zwei Komponenten sind durch Getriebe und Übersetzungen bestmöglich aufeinander abgestimmt. Erstmalig wurde so eine erweiterte Räumbreite erzielt, die für die zusätzliche Gehsteig-Reinigung eingesetzt wird. Gleichzeitig können durch die Verwendung des Teleskopkamins vor der Schneefrässchleuder fahrende Lkws präzise und rationell beladen werden. Bei den Wetterkapriolen, die dieser Winter Schladming bereitete, fand diese Neuheit bei Verantwortlichen wie Einheimischen und Gästen besondere Beachtung und Anerkennung. Auch die Gemeinde zeigt sich begeistert: „Das Ergebnis beim ersten Schneeräumen überzeugte so, dass einige Gemeinderäte am nächsten Tag um vier Uhr früh aufgestanden sind, um den Winterdienst mit dem neuen Gerät in Natura zu sehen“, freut sich Kurt Pitzer. Insbesondere während des massiven Wintereinbruchs im Jänner konnte die neue Lösung punkten, die Schneeräumung ging wesentlich effektiver vonstatten: Während die 2,20 m breite Zaugg-Schneefräse die Schneemassen regelrecht verschlang, waren andere Fahrzeuge nur noch mit dem andauernden Abtransport beschäftigt. Staus konnten so vermieden werden. Früher wurde der Winterdienst in Schladming auf der Straße mittels Radlader und auf den Gehwegen per Hand erledigt und anschließend wurde der gesammelte Schnee per Lkw abtransportiert.     

Ein Perfektionist beim Schneeräumen    
Die nun im Einsatz befindliche individualisierte Schneefrässchleuder spart enorm viel Zeit. „Die Dauer des Arbeitseinsatzes hat sich wesentlich verkürzt“, zeigt sich Kurt Pitzer begeistert von der eigenen Erfindung. Doch der Perfektionist ist nicht nur an Schnelligkeit interessiert, ein makelloses Räumbild ist das erklärte Ziel. Deswegen wurde nach einer mehr als zufriedenstellenden ersten Wintersaison an der Feinjustierung geschraubt. Statt eines starr verbauten Pfluges für die Gehwegräumung, kann ein flexibles Element auf Unebenheiten wie etwa abfallende Gehsteige bei Hauseinfahrten reagieren. Außerdem wurde noch eine Schneidkante integriert, die Vereisungen an der Gehsteigkante entfernt. Mit diesen Verbesserungen steht die Schneefrässchleuder jetzt schon bereit für die nächste turbulente Wintersaison.

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Schneehungrige Zaugg-Fräse: Die Seitenklappe sorgt für Nachschub vom Gehsteig.

Foto: zek

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Das an die Schneefrässchleuder angebaute Räumschild schließt haargenau mit der Gehsteigkante ab. Um eisige Stellen zu entfernen, wurde von Zaugg nachträglich eine Schneidkante hinzugefügt.

Foto: zek

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Dank Kamera und Monitor bewahrt der Fahrer immer den Überblick. Die Kommunikation mit dem vorfahrenden Lkw erfolgt über Funk.

Foto: zek

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Ein Hit in der Realität und online: Das Video der neuen Schneefräse im Einsatz wurde auf Facebook über 200 Mal geteilt. Während das Gerät fräst, fährt ein Lkw zur zeitgleichen Schneebeladung vor.

Foto: Schladming

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Wie per Hand geräumt – so soll das Räumbild für Kurt Pitzer ausschauen. Die verstellbare Seitenklappe passt sich an den Gehweg an, so können mit einem Räumdurchgang
zwei Verkehrsflächen vom Schnee befreit werden.

Foto: zek

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Nach der ersten erfolgreichen Wintersaison forderte Perfektionist Kurt Pitzer (rechts) einige Feinjustierungen. Robert Luttnig (links) vom Unternehmen Reiter-Luttnig lieferte das optimierte Gerät. Der Anbau an den Metrac war in wenigen Minuten erledigt.

Foto: zek