Kompostierung 2.0: Humusaufbau und grüne Energie mit Rentabilität

Autor: Patricia Pfister , 25.01.2021

Eineinhalb Millionen Tonnen Biomüll fallen jedes Jahr in den österreichischen Kommunen an. Eine wertvolle Ressource – wenn man ihn ökologisch und ökonomisch sinnvoll verwertet.

Zum Beispiel mit dem Verfahren der Trockenfermentation in geschlossenen Systemen. Eine Methode, die zahlreiche Vorzüge gegenüber der konventionellen, offenen Kompostierung aufweist und kurzfristig ein Prozent der nationalen Emissionen einsparen könnte. Ein kleiner Vergleich.

Derzeit werden jährlich ca. 1,56 Millionen Tonnen organischer Reststoffe, vor allem Haushaltsbiomüll, in 404 Kompostanlagen in Österreich zu Kompost verarbeitet (Quelle: ARGE Kompost und Biogas). Das ist eine gute Bilanz, denn Kompost wird als wertvoller Humusdünger wieder in den Boden eingebracht und fördert neues Wachstum im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Jedoch ist Kompostierung nicht gleich Kompostierung, vor allem, wenn es um die Treibhausgasbilanz (THG) geht. So beträgt der Emissionssaldo einer offenen Kompostierung, wie sie bei uns die Regel ist, laut Umweltbundesamt +47 kg CO2 equi pro Tonne Material. Würden Bioabfälle hingegen in einer geschlossenen Fermenteranlage kompostiert, aus der kein Treibhausgas entweicht, beträgt die Einsparung bis zu -80kg CO2 equi/t wie die Berechnungen des Umwelttechnik-Unternehmens Pöttinger Fermenter in Abstimmung mit dem Umweltbundesamt ergeben. In Summe würde die Kompostproduktion in geschlossenen Anlagen für Österreich eine Emissionsreduktion von 594.360 Tonnen CO2 equi betragen – und damit eine Minderung der nationalen Emissionen von 0,762 Prozent bedeuten. Rechnet man auf diesen Wert noch die gleichzeitig verminderten Emissionen durch die Substitution fossiler Energieträger auf, so ergibt sich ein Wert von 722.280 Tonnen CO2, oder 0,92 Prozent der nationalen Emissionen – fast ein Prozent. Die Trockenfermenation hat gegenüber der offenen Kompostierung noch einen weiteren großen Vorteil. Mit ihr wird auf klimaneutralem Weg Energie gewonnen. Würden die oben genannten 1,56 Millionen Tonnen Bioabfälle im geschlossenen System anstatt offen kompostiert, wären hierfür 3.120 Fermenter zu je 500 Tonnen Jahreskapazität erforderlich. Diese könnten etwa 3.500 österreichische Haushalte ganzjährig mit Strom und Wärme versorgen.    

Ein interessantes Gedankenspiel    
Eine Umrüstung ist zudem nicht nur nachhaltig, sondern rechnet sich auch, und zwar schon kurz- bis mittelfristig: Würden alle 404 Kompostanlagen in Österreich entsprechend neu ausgestattet, beliefe sich die Investition auf ca. 200 Millionen Euro (nach Abzug der Umweltförderung von 30 Prozent auf ca. 140 Millionen Euro). Wenn man diesen Kosten die Einnahmen aus der Energievergütung gegenüberstellt, so wäre eine Amortisation bereits nach 5,3 Jahren erreicht. Die jährlichen Einnahmen aus der Energieproduktion würden dann an die 26,2 Millionen Euro betragen. Einnahmen aus der Verwertung des Rohkompost, der als Gärrest entsteht, noch nicht einmal mitgerechnet.    

FAZIT: Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit können Hand in Hand gehen    
Der Vergleich von geschlossener und offener Kompostierung hinsichtlich Umwelteffekten, Energiegewinnung, Wirtschaftlichkeit und nicht zuletzt geringen Geruchemissionen, zeigt deutlich, dass die Trockenfermentation im geschlossenen System in allen Punkten überzeugt. Und bei konsequentem Einsatz als wirtschaftlich rentables Instrument unserer nationalen Klima- und Energiepolitik wirklich etwas bewegen könnte.

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Zu den vielfältigen kommunalen Aufgaben zählen auch Energieversorgung und Reststoffentsorgung. Die Kombination beider Aspekte vereint der Fermenter von PÖTTINGER und bietet Kommunen damit einen entscheidenden Benefit.

Foto: Pöttinger