VORBEHALTE KONNTEN AUSGERÄUMT WERDEN: GROSS-ENZERSDORF HEIZT MIT BIOMASSE

Autor: Patricia Pfister , 09.12.2019

Für die nachhaltige Wärmeversorgung von Groß-Enzersdorf errichtete die EVN in der niederösterreichischen Gemeinde ein Biomasseheizwerk mit zwei Feuerungskesseln und einer Gesamtleistung von 1,5 MW.

Erste Zweifel an dem Projekt zu Lärm- und Feinstaubbelastung konnten zerstreut werden. Mittlerweile beheizt die Biomasseanlage seit rund zwei Jahren private und öffentliche Gebäude.

Ein Zwiespalt, wie ihn die Energiewende öfters zu Tage fördert: Zwar wird die Wärme- und Stromgewinnung aus erneuerbaren Energiequellen grundsätzlich vom Großteil der Bevölkerung gut geheißen. Werden jene Quellen aber vor der eigenen Haustüre abgeschöpft – sei es in Form von Wasserkraftanlagen, Windparks oder Biomasseheizwerke –, dann fällt der Zuspruch gering aus. So verhielt es sich auch in der niederösterreichischen Gemeinde Groß-Enzersdorf, wo Ende 2017 eine Biomasseanlage in Betrieb ging. Es war von einigen Einwohnern lange bekämpft worden, da sie mehr Feinstaubbelastung und Lkw-Verkehr befürchteten. So gab es im Vorfeld eine Debatte um den Heizwerkstandort, die im Rahmen von zwei Infoveranstaltungen mit dem am Heizwerk nahewohnenden Anrainern geführt wurden. Dabei ging es vor allem um die Emissionen und den Anlieferungsverkehr. Die Diskussionen wurden auch im Rahmen der Genehmigungsverhandlungen fortgeführt. „Schlussendlich konnte aber mit den meisten Anrainern eine gute Gesprächsbasis gefunden werden und einen Großteil der Befürchtungen konnten wir durch unsere Informationen zerstreuen“, berichtet Projektleiter Christian Domes vom niederösterreichischen Energieversorger EVN. Das Unternehmen ist Projektauftraggeber, Errichter, Eigentümer und Betreiber des Heizwerkes sowie des Naturwärmenetzes in Groß-Enzersdorf. Das Projekt wurde in enger Abstimmung mit der Gemeinde umgesetzt, für die Planung zog man die Fachkompetenz des Unternehmens Büro für erneuerbare Energie Leo Riebenbauer heran.

Bedarf an biogener Wärme für gemeinnützige Wohnbauten
In dem nahe an Wien gelegenen Ort gab es einen Bedarf an zusätzlichen Kapazitäten von biogener Wärme – vor allem für neu errichtete gemeinnützige Wohnbauten. Eine weitere Option für die ökologische Wärmeversorgung wäre eine Pelletsheizung gewesen – diese hätte aber zu Spitzenzeiten mehrmals pro Woche beliefert werden müssen. Um die neuen Wohnhäuser, das Gymnasium, sowie private Gebäude mit sauberer Energie zu versorgen, errichtet die EVN als bessere Alternative dazu ein Biomasseheizwerk im Gewerbegebiet. Mit seiner Gesamtleistung von 1,5 MW beläuft sich die jährliche Ersparnis auf rund 1.000 Tonnen CO2. Es wurde bewusst eine Konzeption mit zwei Biomassekesseln von 500 kW und 1.000 kW des österreichischen Kesselherstellers Binder gewählt, um flexibel alle unterschiedlichen Anforderungen zwischen Sommer- und Winterlast gut mit den Kapazitäten des Heizwerks abdecken zu können und dabei geringstmögliche Emissionen zu verursachen. Der Elektrofilter trägt trägt zum schadstoffarmen Betrieb des Heizwerkes bei.

Lärmbelästigung durch ideale Standortwahl gering
Die pro Jahr benötigten rund 6.500 Schüttraumeter Biomasse stammen von Landwirten und Kleinwaldbesitzern direkt aus der Region. Für die Beschaffung arbeitet EVN mit dem NÖ Waldverband zusammen. Das Material kommt von österreichischen Partnern aus einem Umkreis von maximal 60 Kilometer. Maximal fünf Lkws pro Woche übernehmen die Anlieferung im Winter. Im Gegensatz zu den eingangs befürchteten Lärmbelästigungen, entpuppte sich die Lage des Heizwerks in Groß-Enzersdorf als ideal: Der Heizwerkstandort befindet sich am Rande des Ortsgebietes neben einem großen Gewerbeareal und trotzdem in unmittelbarer Nähe zu den ersten Abnehmern. Außerdem befinden sich viele potentielle Großabnehmer auf kurzen Weg­strecken für das Leitungsnetz, womit sich der Wärmeverlust des Fernwärmenetzes in Grenzen hält. Damit addierten sich die Vorteile einer guten Verteilung von Leitungslänge zu Abnehmern und einer guten verkehrstechnischen Anbindung für die Anlieferung ohne lange Wege durch das Wohngebiet zu einem idealen Standort. Entlang des rund drei Kilometer langen Naturwärmenetzes werden die bestehenden Wärmeanlagen der EVN, neue Wohnbauprojekte, sowie öffentliche Gebäude wie unter anderem die Schulen mit Naturwärme aus Biomasse versorgt. Für alle in der Nähe der Fernwärmetrasse gelegenen Haushalte und Betriebe besteht die Möglichkeit, auf die umweltfreundliche Energie umzusteigen.

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v.l.n.r.: Groß-Enzersdorf Vize-Bürgermeister Michael Paternostro, EVN Vorstandssprecher Stefan Szyszkowitz, LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Groß-Enzersdorf Stadtrat Peter Cepuder, NÖ Waldverband GF Hannes Bendl

Foto: EVN

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Das Heizwerk wurde Ende 2017 offiziell in Betrieb genommen.

Foto: EVN

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Der verwendete Hackgut stammt aus der Region.

Foto: EVN