Zwei Energieversorger, die an einer nachhaltigen Wärmeversorgung arbeiten

Autor: Patricia Pfister , 12.08.2019

Die Energiewende kann nur gelingen, wenn sie auch den Wärmebereich weitestgehend mit einbezieht. Ein deutsches und ein Schweizer Beispiel zeigen, wie sich Energieversorger für ökologische Wärme einsetzen.

Für ihr beispielhaftes Engagement wurden sie mit dem Energiewende AWARD ausgezeichnet.
Im schwäbischen Esslingen kommt umweltfreundliche Wärme aus dem Netz. Und das immer häufiger. Die Stadtwerke Esslingen (SWE) setzen auf den Aufbau von Nahwärmenetzen, wenn es um die umweltfreundliche Versorgung von Wohngebieten mit Wärme geht und erweitern bestehende. Dabei arbeiten sie mit Wohnungsbaugesellschaften zusammen. Derzeit betreibt der städtische Versorger zehn Wärmenetze, weitere sieben über Contracting. In vielen Nahwärmenetzen sind mit Erdgas betriebene Blockheizkraftwerke im Einsatz, die gleichzeitig Wärme und Strom erzeugen. Doch auch erneuerbare Energien wie Geothermie, Hackschnitzel und Holzpellets nutzt SWE zum Betrieb ihrer Wärmenetze.

Auf dem Esslinger Zollberg beispielsweise produziert ein Holzhackschnitzelheizwerk ökologische Wärme für zwei Schulen und die Probebühne der Württembergischen Landesbühne. Das größte Nahwärmenetz der SWE befindet sich im Scharnhauser Park. Rund 9.000 Einwohner versorgt ein Holzheizkraftwerk mit Wärme. Die Heizanlage verfeuert hauptsächlich aufbereiteten organischen Grünschnitt aus dem Landkreis Esslingen. Über das Jahr betrachtet deckt sie rund 70 Prozent des Bedarfs im Stadtteil, den Rest übernehmen zwei Erdgaskessel.
Den Energiewende AWARD in der Kategorie Wärme hat SWE bei der internationalen Innovationsplattform The smarter E Europe aber vor allem für sein Wärmecontracting bekommen. Der Preis würdigt Energieversorger, die sich besonders für die Energiewende einsetzen und Privathaushalten und Gewerbebetrieben entsprechende Produkte und Serviceleistungen anbieten. Die Bonner Markt- und Wirtschaftsforscher von EuPD Research haben dazu die Angebote aller knapp 1.800 Energieversorger im deutschsprachigen Raum bezüglich Strom, Wärme, Mobilität und Energieeffizienz analysiert.

Einige Energieversorger kümmern sich um Wärmewende
Die Esslinger haben bestens abgeschnitten, denn sie bieten für das Wärmecontracting komfortable Komplettpakete an. Sie bauen und betreiben moderne Heizungsanlagen für ihre Kunden. Die SWE-Experten kümmern sich um die Wärmeversorgung von Mehrfamilienhäusern genauso wie von ganzen Stadtquartieren. Auch Eigentümer von Bürogebäuden, Gewerbebetrieben, Pflegeheimen und Schulen gehören zu ihren Kunden. „Das Ziel ist es, Nutzenergie wie Wärme und Strom durch Effizienzmaßnahmen einzusparen und den verbleibenden Bedarf optimal zu decken“, informiert das Stadtwerk auf seinen Internetseiten.

Wärmecontracting bieten inzwischen über 20 Prozent der Energieversorger an. Das weitere Portfolio an umweltfreundlicher Wärmeversorgung lässt sich in zwei Kategorien unterteilen: Bio- beziehungsweise Ökogas und Heizungstechnologien. 219 Versorgungsunternehmen bieten ersteres als Produkt an. 119 Energieversorger, also zehn Prozent der untersuchten Unternehmen, offerieren Wärmepumpen als Alternative zu konventionellen Heizmethoden an. Acht Prozent führen Mikro-Blockheizkraftwerke in ihrem Angebot, fünf Prozent Pelletsheizungen und zwei Prozent Brennstoffzellen.
Im Vergleich zu Photovoltaikanlagen, die von jedem fünften Energieversorger angeboten werden, fallen die Zahlen gering aus. „Daran ist gut erkennbar, dass die Entwicklungen in der regenerativen Stromerzeugung schon länger Thematik der Energieversorger und deshalb in ihrem Ausbau weiter fortgeschritten sind“, lautet die Schlussfolgerung von EuPD in seiner Analyse.

Energieversorger liefert Abwasserwärme
Ein Energieversorger, der heraussticht und deshalb für sein innovatives Engagement im Wärmesegment mit dem Energiewende AWARD auszeichnet wurde, kommt aus der Schweiz. Energie Zürichsee Linth (EZL) hat sich 2016 neu ausgerichtet und arbeitet seither konsequent an Energielösungen für die Zukunft. Das Unternehmen beteiligt sich an einem einzigartigen Pilotprojekt: der Erzeugung vollständig erneuerbaren Methans. Bei dem Vorhaben handelt sich dabei um die erste Anlage dieser Art in der Schweiz und die erst Dritte weltweit. Mittels Elektrolyse wandelt EZL überschüssigen Strom in Wasserstoff und Sauerstoff um. Angereichert mit Kohlenstoff oder Kohlendioxid wird aus dem Wasserstoff erneuerbares Methan. Es lässt sich wie Biogas in das Erdgasnetz einspeisen. Somit ist es ohne aufwändige Anpassungen mit allen Erdgasgeräten nutzbar.

Mit einem weiteren Projekt beweist EZL seinen Pioniergeist. In Rapperswil-Jona am Zürichsee baut das Unternehmen ein Leitungsnetz, das elf Grad Celsius warmes Abwasser aus einer Abwasserreinigungsanlage zu einer entstehenden Neubausiedlung führen soll. Dort wird es durch einen Wärmetauscher fließen, wo es ein etwa fünf Grad Celsius kaltes Ethanol/Wasser-Gemisch auf zehn Grad Celsius erwärmen wird, das als Wärmequelle für die Wärmepumpen in den Wohnhäusern dienen wird. Auch im Kanton St. Gallen wird umweltfreundliche Wärme demnächst aus dem Netz kommen.

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Ernst Uhler (zweiter von links), Geschäftsführer Energie Zürichsee Linth, freut sich mit (von links) Horst Dufner von Solar Promotion, Manuel Michaelis von Vaillant und EuPD Research-Geschäftsfürer Markus A.W. Hoehner über den Energiewende AWARD.

Foto: EuPD Research