Vorzeigeregion für nachhaltigen Strom zieht mit erneuertem Heizwerk bei Wärme nach

13. Mai 2026, Lesedauer: 5 min

Bild: © Robin Böhm | Büro Riebenbauer

Wo das Burgenland beim Strom längst Maßstäbe setzt, zieht es nun bei der Wärme nach. In Eisenstadt wurde ein erneuertes Biomasseheizwerk in Betrieb genommen, das die Landeshauptstadt seit Mai mit klimafreundlicher Energie aus regionaler Biomasse versorgt. Burgenland Energie treibt damit die Wärmewende konsequent voran: Rund 1.300 Abnehmer profitieren von einer sicheren, nachhaltigen und regional verankerten Wärmeversorgung.

Erneuerte Biomasseanlage stärkt nachhaltige Wärmeversorgung im Burgenland

Das Burgenland gilt bereits heute als Vorzeigeregion für erneuerbare Stromerzeugung: Strom aus Sonne und Wind deckt den Landesbedarf vollständig ab. Nun soll auch die Wärmeerzeugung Schritt für Schritt dekarbonisiert werden. Ein zentraler Baustein dafür ist das erneuerte Biomasseheizwerk in Eisenstadt. Seit Mai 2025 sorgt es für einen signifikant höheren Anteil nachhaltiger Wärmeversorgung in der Landes­hauptstadt. Burgenland Energie investierte rund 14 Millionen Euro in die moderne Anlage, die bis zu 25.000 MWh Wärme pro Jahr liefert – ein weiterer Schritt auf dem Weg zu Energieautarkie und Klimaneutralität. Insgesamt werden über das 24 Kilometer lange Fernwärmenetz rund 1.300 Abnehmer versorgt, darunter öffentliche Einrichtungen, Betriebe und Wohnanlagen. Das Projekt steht sinnbildlich für den eingeschlagenen Weg des Landes, den Anteil erneuerbarer Energie weiter auszubauen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu beenden. Aufgrund des stetigen Wachstums von Eisenstadt und dem damit einhergehenden steigenden Wärmebedarf war eine Vergrößerung des Heizwerks eine sinnvolle Maßnahme, die dazu beiträgt, für die Zukunft gerüstet zu sein.

Heizwerk Eisenstadt
V.l.: Lukas Schirnhofer (GF Polytechnik), Christian Ritter (GF ATG Anlagentechnik), Charlotte Toth-Kanyak (Vize-Bgm. Eisenstadt), Robert Hergovich (Landtag Burgenland Klubvorsitzender), Thomas Steiner (Bgm. Eisenstadt), Stephan Sharma (CEO Burgenland Energie), Planer Leo Riebenbauer, Matthias Lehner (Leitung Fernwärme und Wasserkraft BE Energy GmbH), Heinz Grossmann (GF Polytechnik)
© Energie Burgenland

Planung und Umsetzung des Biomasseheizwerks Eisenstadt

Die Projektsteuerung und Planung lagen beim Ingenieurbüro Riebenbauer, das bereits zahlreiche Biomasseprojekte realisiert hat und auf 30 Jahre Erfahrung bauen kann. Von der Auslegung der Wärmeerzeugung über die hydraulische Optimierung bis zur Integration in das bestehende Fernwärmenetz koordinierte das Büro sämtliche Schritte. Ein zentraler Punkt war die Einbindung bestehender Anlagenkomponenten und die Vorbereitung auf künftige Leistungssteigerungen. Das modernisierte Heizwerk ver­doppelte seine ursprüngliche Leistung von 7 auf 14 MW, wobei eine Ausbaureserve bereits berücksichtigt wurde. „Die neue Anlage bietet Platz für eine mögliche Erweiterung um zusätzliche 7 MW – ein klares Signal für zukunftsorientierte Energieplanung“, so Planer Leo Riebenbauer. Drei Pufferspeicher mit einem Gesamtvolumen von 545 Kubikmetern sorgen für eine gleichmäßige Netzeinspeisung und erhöhen die Betriebseffizienz des Heizwerks.

Österreichische Anlagentechnik für nachhaltige Fernwärme

Für die Feuerungs- und Anlagentechnik zeichnet das niederösterreichische Unternehmen Polytechnik verantwortlich. Die in Eisenstadt installierte Anlage verfügt über eine beeindruckende Kesselleistung von zweimal 7.000 kW und erreicht damit eine Gesamtleistung von 14.000 kW. Diese Dimensionierung stellt eine zuverlässige und zugleich leistungsstarke Wärmeversorgung sicher. Als Feuerungsart kommt eine moderne Vorschubrostfeuerung zum Einsatz – eine besonders effiziente Technologie für die Verbrennung von Hackgut. Herzstück der Anlage ist die innovative PolyCombustion-Technologie, die eine optimierte, saubere und emissionsarme Verbrennung gewährleistet und gleichzeitig den Wirkungsgrad maximiert. Als technisches Medium nutzt das System Heißwasser, das die erzeugte Energie wirkungsvoll in das Fernwärmenetz überträgt.Den Ausbau und die Installation des Wärmenetzes übernahm das burgenländische Unternehmen ATG Anlagentechnik. ATG verfügt über langjährige Erfahrung im Rohrleitungs- und Anlagenbau für Fernwärmeprojekte und ist auf Komplettlösungen von der Trassenplanung bis zur Inbetriebnahme spezialisiert. In Eisenstadt verantwortete das Unternehmen die Montage der Leitungen, Armaturen und Übergabestationen. „Die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten hat wesentlich dazu beigetragen, dass das Projekt termin- und kostentreu umgesetzt werden konnte“, betont Leo Riebenbauer.

Heizwerk Eisenstadt Polytechnik Eisenstadt Anlage (2)
Modernste Feuerungs- und Anlagentechnik sorgt für hohe Effizienz und niedrige Emissionen.
© Polytechnik

Regionale Biomasse sichert Wärmeversorgung in Eisenstadt

Durch die Nutzung regionaler Holzressourcen bleibt die Wertschöpfung im Land, Transportwege werden minimiert und Preisrisiken reduziert. Das Heizwerk leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Stabilität der Energieversorgung – gerade in Zeiten volatiler Energiemärkte. Der automatische Betrieb und die redundante Auslegung der Kessel- und Speicheranlagen gewährleisten eine hohe Ausfallsicherheit und einen gleichmäßigen Wärmefluss auch bei Spitzenlasten. Leo Riebenbauer betont, dass das Heizwerk zeigt, wie erfolgreich regionale Energieprojekte umgesetzt werden können, wenn Planung, Technik und Ausführung eng zusammenarbeiten. Alle beteiligten Partner stammen aus Österreich – ein Aspekt, der Vertrauen schafft und die regionale Wirtschaft stärkt.

Heizwerk Eisenstadt
Die Anlage liefert jährlich rund 25.000 MWh klimafreundliche Wärme für die burgenländische Landeshauptstadt.
© Robin Böhm | Büro Riebenbauer

Nachhaltige Wärmeerzeugung als Basis der Burgenländer Klimastrategie

Das Heizwerk leistet einen wichtigen Beitrag zu den Klimazielen des Burgenlands: Es reduziert den CO2-Ausstoß und stärkt zugleich die regionale Wertschöpfungskette, indem Brennstoff aus der Region bezogen wird. Die Anlage ist so konzipiert, dass sie zukünftige Erweiterungen und technologische Entwicklungen aufnehmen kann. Neben der Möglichkeit, zusätzliche Leistungsmodule zu integrieren, wurde das System für eine spätere Anbindung an Solarthermieflächen vorbereitet. Damit ist das Heizwerk nicht nur auf den aktuellen Bedarf ausgelegt, sondern bereits auf künftige Entwicklungen vorbereitet. Burgenland Energie sieht das Heizwerk als wichtigen Bestandteil einer nachhaltigen Wärmeversorgung: „Mit Projekten wie diesem beweisen wir, dass die Wärmewende im Burgenland bereits Realität ist – ökologisch und wirtschaftlich“, ist Stefan Sharma, CEO der Burgenland Energie AG, überzeugt.

Erschienen in zek KOMMUNAL, Ausgabe 4/2025