Holzgas als Schlüssel zur Energiezukunft im Traditionshotel

19. Juni 2026, Lesedauer: 4 min

Bild: © Chris Perkles

Mit einem eigenen Heizwerk zeigt der Stanglwirt, wie innovative Holzvergaser-Technologie und lang gelebte Nachhaltigkeitsprinzipien zu einem stimmigen Energiekonzept werden. Die Anlage liefert nicht nur Strom und Wärme für das Hotel, sondern auch dauerhaft CO2-bindenden grünen Kohlenstoff – und macht sichtbar, wie ein über 400 Jahre alter Betrieb den Schritt in eine energieautarke Zukunft schafft.

BIO-Energie-Kraftwerk beim Stanglwirt: Holzgas-Technologie für Strom und Wärme

Nachhaltigkeit hat beim Stanglwirt seit Jahrhunderten Bestand. Der Traditionsbetrieb am Wilden Kaiser, dessen Wurzeln bis 1609 zurückreichen, verbindet Landwirtschaft, Hotellerie und die Nutzung regionaler Ressourcen. Viele Bereiche des modernen Bio- und Wellnesshotels basieren noch heute auf eigener Erzeugung – von Milch- und Fleischprodukten bis zur Wasserversorgung aus der Kaiser-Quelle. Bereits 1980 setzte das Haus mit dem ersten Hotel-Biomasseheizwerk Europas ein Zeichen in Richtung energieautarker Betriebsführung. Mit dem neuen BIO-Energie-Kraftwerk geht der Stanglwirt nun den nächsten Schritt und nutzt moderne Holzgas-Technologie, um Strom, Wärme und – als umweltfreundliches Nebenprodukt – „grünen Kohlenstoff“ direkt vor Ort zu erzeugen.

Energieautarker Hotelbetrieb durch Holzgas und Biomasse

Die Anlage basiert auf der Holzvergaser-Technologie des Tiroler Unternehmens SYNCRAFT, das seit Jahren sogenannte Rückwärtskraftwerke entwickelt und baut. Die Grundidee: Regional verfügbares Waldhackgut und Schadholz werden in einem geschlossenen Prozess in Holzgas umgewandelt, das anschließend in einem Jenbacher Gasmotor der INNIO Group verstromt wird. Gleichzeitig entsteht nutzbare Wärme für den Hotelbetrieb sowie grüner Kohlenstoff als dauerhafter Kohlenstoffspeicher. Für den Stanglwirt bedeutet das eine weitgehend autarke Energieversorgung, die nicht nur den Betrieb absichert, sondern auch zur Reduktion von CO2 beiträgt.

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Die Anlage liefert nicht nur Strom und Wärme für das Hotel, sondern auch dauerhaft CO2-bindenden grünen Kohlenstoff – und macht sichtbar, wie ein über 400 Jahre alter Betrieb den Schritt in eine energieautarke Zukunft schafft.
© Chris Perkles

Rückwärtskraftwerk: Holzvergasung zur Strom- und Wärmeerzeugung

Das Verfahren beruht auf einer mehrstufigen Umwandlung. Zunächst wird naturbelassenes, PEFC RED II zertifiziertes Hackgut in der Holzvergaseranlage auf hohe Temperaturen gebracht. Der Prozess folgt dabei dem von SYNCRAFT entwickelten Rückwärtskraftwerk-Prinzip: Die Biomasse wird nicht einfach verbrannt, sondern pyrolysiert, sodass ein qualitativ hochwertiges Holzgas entsteht. Dieses wird dem Jenbacher Gasmotor zugeführt, wo es zur Erzeugung von bis zu 600 kW elektrischer Leistung genutzt wird. Die elektrische Energie fließt direkt in den Stanglwirt und senkt damit die Betriebskosten deutlich. Neben dem Strom fällt thermische Energie an, die das Hotel unter anderem zur Warmwasserbereitung und zur Brennstofftrocknung einsetzt. Die Kraft-Wärme-Kopplung sorgt dafür, dass sowohl der erzeugte Strom als auch die entstehende Wärme genutzt werden.

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Grüner Kohlenstoff als klimapositives Nebenprodukt der Holzgas-Technologie

Eine Besonderheit des Verfahrens ist der entstehende grüne Kohlenstoff: Er bindet dauerhaft rund 20 bis 30 % des im Holz enthaltenen CO2 und kann in unterschiedlichen Bereichen weiterverwendet werden, etwa als Bodenverbesserer oder als Bestandteil nachhaltiger Substrate. Damit erfüllt das Kraftwerk mehrere Funktionen gleichzeitig. Auch für die Betreiber war dieser Mehrfachnutzen entscheidend. Johannes Hauser, Junior-Chef des Stanglwirts und verantwortlich für Landwirtschaft und Energieversorgung, betont: „Wir wollten eine Lösung, die nicht nur unseren eigenen Energiebedarf deckt, sondern zugleich regionale Wertschöpfung und Klimaschutz fördert. Das funktioniert hier jeden Tag – im Einklang mit unserer Philosophie, nachhaltig zu wirtschaften und Verantwortung zu übernehmen.“

BIO-Energie-Kraftwerk als Teil der nachhaltigen Betriebsphilosophie

Für den Stanglwirt ist das Projekt ein weiterer Meilenstein in ­einer langen Linie energetischer Eigeninitiativen. Die Investi­tions­­summe von rund 11 Millionen Euro umfasst die Holzvergaser-Technologie von SYNCRAFT, den Gasmotor, die bauliche Infrastruktur sowie die Erweiterungen im Bereich Lagerlogistik und Trocknung. Marcel Huber, Geschäftsführer von SYNCRAFT, zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis: „Die Anlage beim Stanglwirt zeigt eindrucksvoll, wie innovative Holzgas-Technologie regionale Biomasse in saubere Energie verwandeln kann.“ Die Anlage­ läuft seit über einem Jahr stabil im Vollbetrieb und liefert sowohl im Hotelalltag als auch bei Führungen für Gäste ein anschauliches Beispiel aktueller Energietechnik.

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Traditioneller Familienbetrieb trifft moderne Holzgas-Technologie

Damit demonstriert der Stanglwirt, wie sich ein traditionsreicher Betrieb und moderne Energietechnologie verbinden lassen. Die Kombination aus regionalem Brennstoff, innovativer Holzgas-Technik und dem als Nebenprodukt entstehenden klimapositiven grünen Kohlenstoff macht das BIO-Energie-Kraftwerk zu einem Musterbeispiel für eine praxistaugliche, wirtschaftlich tragfähige und ökologisch sinnvolle Form der dezentralen Energieversorgung.

Erschienen in zek KOMMUNAL, Ausgabe 4/2025