Wenn der Untergrund nicht mitspielt: Kanal auf Pfahl in Klagenfurt
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Wo früher Moor und Feuchtflächen lagen, entsteht heute moderne Infrastruktur. Im Klagenfurter Stadtteil Viktring wird ein alter Kanal bei schwierigen Bodenverhältnissen saniert. Ein Kanal-auf-Pfahl-System der Tiroler Rohre GmbH sorgt dafür, dass Setzungen, hohes Grundwasser und minimale Gefälle dauerhaft beherrschbar bleiben.

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Kanal auf Pfahl sichert Abwasserentsorgung im schwierigen Moorboden
Im Süden der Kärtner Landeshauptstadt Klagenfurt, im Stadtteil Viktring, treffen anspruchsvolle geologische Voraussetzungen auf steigende infrastrukturelle Anforderungen. Dort, wo heute dichter Wohnbau steht, befand sich einst ein weit verzweigtes Moor- und Feuchtgebiet, ein Relikt des früher wesentlich größeren Wörthersees. Diese geologischen Rahmenbedingungen bestimmen bis heute den Bau von Kanal- und Wasserleitungen – und machen das Gebiet zu einem der technisch herausforderndsten der Stadt. Genau hier entsteht derzeit ein Kanal auf Pfahl, ein System, das in Klagenfurt längst zur Standardlösung in besonders sensiblen Bereichen geworden ist. Dipl.-Ing. Daniel Seebacher, Projektleiter bei CCE Ziviltechniker GmbH und zentraler Ansprechpartner für die Klagenfurter Abwasserplanung, beschreibt die Ausgangslage: „Klagenfurt steht in diesen Bereichen auf einem alten Moorgebiet. Der Boden ist nicht standfest – und das bis in größere Tiefen.“ Auch historische Karten zeigen, dass große Teile des heutigen Siedlungsgebiets ursprünglich Feucht- und Moorflächen waren und daher extensiv genutzt wurden. Südlich und westlich der Innenstadt dominieren sandige, grundwassernahe Böden mit uneinheitlichem Schichtenaufbau.
Moorboden erschwert den Kanalbau
Diese Rahmenbedingungen stellen den Kanalbau vor mehrere, eng miteinander verknüpfte Herausforderungen. Zum einen führen die wenig tragfähigen Bodenschichten zu erheblichen Setzungen in der Tiefe. Kunststoffrohre, die in vielen Bereichen Klagenfurts aus wirtschaftlichen Gründen eingesetzt werden, stoßen hier an ihre Grenzen. Zwischen den Auflagerpunkten würden sie sich durchbiegen und ihre Lage verändern. Erschwerend kommen die extrem geringen Längsgefälle hinzu. Während im Kanalbau üblicherweise eine Neigung von rund einem Prozent angestrebt wird, liegen die Werte im Raum Klagenfurt West und Süd stellenweise nur bei ein bis drei Promille. „Teilweise bewegen wir uns damit sogar unter den üblichen Mindestwerten“, erklärt Daniel Seebacher. Der Einsatz zusätzlicher Pumpwerke wäre zwar technisch möglich, scheitert jedoch an Wirtschaftlichkeit und Betriebssicherheit. Als weiterer Faktor wirkt der hohe Grundwasserstand: So stand etwa 2023 das Wasser in weiten Teilen des Siedlungsgebiets nahezu flurgleich an. Doch auch in vergleichsweise trockenen Jahren bleibt Grundwasser in den Baugruben ein ständiger Begleiter. „Man arbeitet hier praktisch im Wasser – ohne laufende Grundwasserabsenkung ist ein Bauablauf nicht möglich“, fasst der Projektleiter zusammen.
Pfahlsystem mit duktilen Gussrohren
Die Stadt Klagenfurt setzt daher seit Mitte der 2000er-Jahre auf ein Pfahlsystem, das aus dem Hochbau bekannt ist und für den Leitungsbau adaptiert wurde. Der Ansatz: Duktile Gusspfähle werden mittels Rammpfahlgerät so tief eingeschlagen, bis sie in ausreichend tragfähigem Untergrund Halt finden, teils in Tiefen von bis zu 60 Metern. „Die Pfähle werden in einem Abstand von fünf Metern, also jeweils pro Rohrlänge, so weit eingetrieben, bis sie sicher in tragfähigen Schichten gründen“, erläutert Daniel Seebacher. Provisorische Rammsondierungen helfen dabei, die erwartete Tiefe abzuschätzen. Auf den Pfählen werden anschließend verstärkte duktile Gussrohre montiert. Diese kommen bei diesem Projekt in DN300 und DN400 zum Einsatz, verfügen aufgrund der Bodenverhältnisse über eine höhere Wanddickenklasse als Standardrohre und sind gezielt auf die punktuellen Belastungen an den Pfahlauflagerpunkten ausgelegt, um formstabil zu bleiben. Die Auslegung der Rohrwandstärken erfolgt durch den Rohrhersteller Tiroler Rohre (TRM) in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck. Dabei kommt ein von der Universität Innsbruck speziell für die Tiroler Rohre GmbH entwickeltes Berechnungsprogramm zum Einsatz, das unter anderem Linienlasten, Überdeckung sowie die standortspezifischen Lastannahmen berücksichtigt. „Rohre aus anderen Werkstoffen, die üblicherweise bei Abwasserprojekten eingesetzt werden, sind für punktuelle Auflagerungen nicht ausgelegt, da sie zwischen den Auflagerpunkten nachgeben. Gussrohre bleiben formstabil – die Wanddicke wird je nach Nennweite gezielt angepasst“, erklärt Mag. Dr. Igor Roblek, Vertriebsmanager bei TRM. Die Tiroler Rohre GmbH liefert nicht nur die Abwasserrohre, sondern auch das dazugehörige Pfahlsystem. Damit kommt die Gesamtlösung für die komplexe Aufgabenstellung aus einem Haus.

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Leitungsbau zwischen bestehender Infrastruktur
Zusätzlich zur schwierigen Bodenlage kommen bei der Baustelle enge innerstädtische Verhältnisse dazu. Mehrere Leitungen verlaufen parallel: eine alte Asbestzement-Wasserleitung, ein bestehender Hauptsammelkanal, ein Regenwasserkanal aus Beton, eine alte Bleileitung, eine 20-kV-Leitung sowie die Fernwärmeleitung. „Da darf man keiner Leitung zu nahe kommen, einige davon sind extrem sensibel“, beschreibt Daniel Seebacher. Um die Erschütterungsgefahr durch die Rammpfähle zu minimieren, wurde in diesem Fall die Wasserleitung zuerst erneuert. Eine neue DN200-Trinkwasserleitung aus duktilen Gussrohren mit VRS-T Verbindung und Standardbeschichtung Pur LL, ebenfalls aus dem Hause TRM, ersetzt nun die alte Asbestzementleitung – erst danach beginnt der eigentliche Kanalbau. „Ein Bruch der Wasserleitung hätte erhebliche Wassermengen freigesetzt – genau dieses Risiko wollten wir ausschließen“, so der Projektleiter.
Kanalsanierung für den Stadtteil Viktring
Der Bauabschnitt ist Teil eines umfassenden Sanierungsprogramms im Ortsteil Viktring, wo der Bevölkerungsanstieg der vergangenen Jahrzehnte beträchtlich war: von rund 3.000 Einwohnern in den 1970er-Jahren auf heute etwa 10.000. Der bestehende Kanal war über 55 Jahre alt, aus PVC gefertigt, hydraulisch unterdimensioniert und durch Setzungen sowie Grundwassereintritte stark beeinträchtigt. „Fremdwasser im Kanalnetz belastet die Anlagen unnötig – ebenso kritisch ist es, wenn Abwasser in den Untergrund gelangt“, bringt der Projektleiter die Problematik auf den Punkt. Seit 2016 verfügt Klagenfurt über ein vollständiges Leitungsinformationssystem. Kanal-Inspektionen liefern die Grundlage für die Zustandsbewertung und die Priorisierung der Sanierungsabschnitte. Die Stadt setzt dabei auf die abschnittsweise Erneuerung ganzer Straßenzüge statt auf punktuelle Reparaturen.
Materialversorgung für den Bauablauf
Für die Umsetzung des Bauabschnitts in Viktring stellten TRM und der lokale Fachhändler Schmidt’s gemeinsam die Materialversorgung sicher. Die Lagerhaltung vor Ort ermöglichte kurze Reaktionszeiten – ein klarer Vorteil, wenn während der Bauphase unerwartete Einbauten auftreten oder Formstücke kurzfristig benötigt werden. „Im Bauablauf kommt es immer wieder zu Anpassungen – entscheidend ist, dass dann rasch
und verlässlich reagiert werden kann“, so Igor Roblek von TRM.
Dauerhafte Lösung für schwierige Bodenverhältnisse
Ein Kanal-auf-Pfahl-System ist kostenintensiver als herkömmliche Bauweisen – doch gerade unter den geologischen Rahmenbedingungen Klagenfurts erweist sich das System als zweckmäßig. Die Bauzeit verkürzt sich gegenüber konventionellen Bauweisen im wenig tragfähigen Untergrund, da die Höhenlage millimetergenau eingestellt werden kann und die Rohre stabil auf den Pfählen aufliegen. Kamerabefahrungen früherer Projekte bestätigen die langfristige Funktionsfähigkeit der Bauweise. Im Ortsteil Viktring entsteht damit eine Lösung, die auch unter anspruchsvollen Bedingungen – Moorboden, hohem Grundwasserstand und minimalem Gefälle – eine dauerhaft sichere und betrieblich stabile Ableitung des Abwassers ermöglicht.
Erschienen in zek KOMMUNAL, Ausgabe 1/2026

