9.000 Liter pro Sekunde: Neues Pumpwerk stärkt den Hochwasserschutz in Krems

11. März 2026, Lesedauer: 5 min

Bild: © Schubert

Steigende Regenintensitäten und alternde Anlagen erfordern robuste Infrastruktur. In Krems wurde das Pumpwerk Kremsmündung daher umfassend modernisiert – bei laufendem Betrieb und mit klarer Priorität auf Redundanz, Betriebssicherheit und leistungsfähige EMSR-Technik.

Starkregen und Extremwetter fordern kommunale Pumpwerke heraus

Extremwetter ist längst kein Randphänomen mehr: Gemeinden in ganz Österreich verzeichnen deutlich häufigere und intensivere Starkregenereignisse. Für Verbände und Betreiber kommunaler Infrastruktur bedeutet das: Die Systeme müssen heutigen und kommenden Belastungen standhalten – vor allem dort, wo große Einzugsgebiete an Fließgewässer grenzen. In Krems an der Donau wurde deshalb eines der leistungsstärksten Pumpwerke der Region umfassend modernisiert.

Sanierungsbedarf durch Extremwetter und steigende Belastung

Das Pumpwerk Kremsmündung stammt ursprünglich aus den 1970er- bzw. frühen 1980er-Jahren. Über die Jahrzehnte war nicht nur die Belastung stetig gestiegen; auch die technische Lebensdauer der maschinellen und elektrischen Komponenten war weitgehend ausgeschöpft. „Mit zunehmenden Starkregenereignissen waren die Leistungsgrenzen der alten Anlage spürbar erreicht“, erklärt Ing. Markus Rössl, Betriebsleiter des Gemeindeabwasserverbands (GAV) Krems an der Donau. Ersatzteile für Teile der Bestandsanlage waren kaum noch zu beschaffen – ein Risiko, das man sich schlicht nicht leisten kann. Eine vollständige Erneuerung war daher unabdingbar. Das Projekt wurde 2018 eingereicht und über mehrere Jahre umgesetzt – immer unter der Bedingung, dass das Pumpwerk während der gesamten Bauzeit voll betriebsbereit bleiben musste.

Kremsmündung
Blick in das modernisierte Pumpwerk Kremsmündung.
© Schubert

Drei Pumpwerke unter einem Dach

Beim Pumpwerk Kremsmündung handelt ­es sich um kein gewöhnliches ­Pumpwerk, sondern um eine weit überdurchschnittlich dimensionierte, kom­plex auf­gebaute Infrastrukturanlage. In dem Gebäude arbeiten drei voneinander unabhängige Systeme: ein Regenwasserpumpwerk für Extremniederschläge, das alleine eine Leistung von 9.000 Liter pro Sekunde erreicht, ein Schmutzwasserpumpwerk sowie ein Drainagepumpwerk für das durch den Donaudamm sickernde Wasser. „Gebäudetechnisch ist es ein Pumpwerk, aber im Inneren sind drei große Anlagen verbaut“, erläutert Ing. Hannes Lechner, Projektleiter bei Schubert CleanTech GmbH, die gemeinsam mit Klenk & Meder als ARGE den EMSR-Teil des Projekts realisierte. Diese Komplexität war auch der Grund, warum der gesamte Umbau Abschnitt für Abschnitt im laufenden Betrieb stattfinden musste – ein enormer planerischer und organisatorischer Kraftakt.

Modernisierung des Pumpwerks Kremsmündung bei laufendem Betrieb

Hannes Lechner beschreibt die größte Herausforderung so: „Die alten Pumpen mussten weiterlaufen, während wir die neuen Anlagenteile aufgebaut haben. Dafür waren zahlreiche Provisorien notwendig. Jeder Umschluss musste exakt mit dem Betreiber abgestimmt werden – und natürlich auf das Wetter.“ Die Arbeiten zogen sich über mehrere Jahre, auch weil Corona zu gravierenden Lieferverzögerungen bei Pumpen und Großkomponenten führte. Trotz der Dimension des Projekts blieb der Anlagenbetrieb durchgehend gewährleistet. Erst Schritt für Schritt konnten die Provisorien abgebaut und die neuen Pumpen des Herstellers Xylem sowie elektrotechnischen Einrichtungen in Betrieb genommen werden.

Kremsmündung
Die neuen Xylem-Großpumpen fördern je Einheit bis zu 2.000 Liter pro Sekunde und sichern die Entlastung bei Starkregenereignissen.
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690-Volt-Technik ermöglicht Hochleistungs-Pumpbetrieb bei Starkregen

Ein zentrales Merkmal der neuen Anlage ist die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit, die im Zusammenspiel mit dem weitläufigen Einzugsgebiet notwendig ist: Bei Starkregen gelangen enorme Wassermengen innerhalb kurzer Zeit zur Kremsmündung, sodass jede einzelne Pumpe bis zu 2.000 Liter pro Sekunde fördern muss, um die Systeme zuverlässig zu entlasten. Diese Dimension ist in Österreich nur in wenigen vergleichbaren Anlagen anzutreffen. Um diese Leistung effizient zu übertragen, wurde die elektrische Infrastruktur auf eine 690-Volt-Spannungsebene ausgelegt. „Bei solchen Pumpendimensionen wären die Kabelquerschnitte bei 400 Volt extrem groß geworden. Deshalb wurde eine zusätzliche Spannungsebene mit 690 Volt eingeführt“, erklärt Hannes Lechner. Verantwortlich dafür war die ARGE Schubert CleanTech – Klenk & Meder: Schubert CleanTech übernahm die Planung der Elektrotechnik, die Fertigung der Steuer- und Hauptverteiler, die Energieverteilung, die Transformatoren sowie die Inbetriebsetzung. Klenk & Meder war für die E‑Montage, die Verkabelung und die Anschlussarbeiten verantwortlich. Die Steuerungssoftware selbst stammt – wie vom Betreiber vorgegeben – vom Leitsystempartner Framatech, der bereits die Kläranlage in Krems betreut.

Redundante EMSR-Technik für maximale Betriebssicherheit

Für GAV-Betriebsleiter Markus Rössl stand beim Umbau eines im Vordergrund: höchste Betriebssicherheit. „Die Wahrscheinlichkeit eines Komplettausfalls muss so gering wie möglich sein. Ein selektiver und redundanter Aufbau ist entscheidend.“ Daher wurden sämtliche EMSR-Komponenten erneuert, moderne SPS-, Mess- und Überwachungssysteme installiert und die Anlage so ausgelegt, dass auch beim Ausfall einzelner Versorgungsschienen ein Mindestbetrieb gewährleistet bleibt.Auch energetisch profitiert das Pumpwerk vom Update. Die neuen Pumpen und die optimierte Steuerung sorgen für deutlich effizientere Laufzeiten – ein wichtiger Faktor in einer Anlage, die teilweise rund um die Uhr mit unterschiedlichen Wasserströmen arbeitet.

Kremsmündung
Erwin Winkler (l.) und Eveline Haagen (beide Firma Xylem) bei der Auslieferung einer der stattlichen Pumpen 2021 an den damaligen GAV-Obmann Anton Pfeifer (2.v.l.), Geschäftsführer Stefan Tiefenbacher (2.v.r.) und Betriebsleiter Markus Rössl (r.).
© GAV Krems

Pumpwerk Kremsmündung als zentrale Starkregen- und Hochwasserschutzanlage

Die moderne Anlage übernimmt heute eine Schlüsselrolle bei Starkregen und Hochwasser. Sie schützt nicht nur die Stadt Krems, sondern mehrere Gemeinden im Verbandsgebiet. „Es ist ein wesentlicher Teil der Regenentlastung“, betont der Betriebsleiter. Auch Hannes Lechner sieht das Projekt als eines der anspruchsvollsten und zugleich bedeutendsten der letzten Jahre: „Von der Dimension her gibt es nicht viele Pumpwerke dieser Größenordnung. Die Tatsache, dass hier drei vollwertige Systeme in einem Gebäude vereint sind, unterstreicht die Besonderheit des Projekts.“

Modernisierte Pumpwerksanlage sichert langfristigen Hochwasserschutz

Seit der Inbetriebnahme 2023 läuft das Pumpwerk stabil und zuverlässig. Der Verband verfügt nun über ausreichende Reserven, um auch zukünftige Entwicklungen abzufedern – auch wenn, die Intensität kommender Wetterereignisse schwer vorherzusagen ist. Für den GAV Krems bedeutet das modernisierte Pumpwerk einen klaren Schritt in Richtung ausfallsicherer Infrastruktur. Die Kombination aus leistungsstarker Mechanik, moderner EMSR-Technik und intelligenten Steuerungssystemen schafft ein Pumpwerk, das die Region langfristig schützt.

Erschienen in zek KOMMUNAL, Ausgabe 4/2025