Rohstoff statt Reststoff: Graz setzt auf Kreislaufwirtschaft bei Gussrohren

20. Juli 2026, Lesedauer: 7 min

Bild: © TRM

Bei der Erneuerung der Transportleitung Feldkirchen setzt die Holding Graz auf duktile Gussrohre von TRM. Das Projekt stärkt einen wesentlichen Baustein der Grazer Trinkwasserversorgung und zeigt zugleich, welchen Wert bestehende Infrastruktur auch am Ende ihrer Nutzungsdauer noch besitzt: Rund 250 Tonnen Gussmaterial aus der alten Graugussleitung werden bei TRM wieder dem Produktionskreislauf zugeführt.

Historische Bauarbeiten an einer massiven Wassertransportleitung mit Arbeitern in einem Graben der Holding Graz.
Historische Aufnahme vom Bau der Transportleitung Feldkirchen–Graz: Die Graugussleitung aus dem Jahr 1950 bildete über Jahrzehnte einen wichtigen Baustein der Grazer Trinkwasserversorgung.
© Holding Graz

Historische Transportleitung wird zum wertvollen Sekundärrohstoff

Die bestehende Graugussleitung vom Wasserwerk Feldkirchen in das Grazer Stadtgebiet zählt zu jenen Infrastruk­turen, deren Wert sich nicht allein an ihrer jahrzehntelangen Nutzungsdauer bemisst. Denn wenn die historische Leitung aus dem Jahr 1950 nun im Zuge der Erneuerung abschnittsweise rückgebaut wird, endet ihre Geschichte nicht mit dem Ausbau. Rund 250 Tonnen Gussmaterial bleiben dabei als Wertstoff erhalten.

Bestand wird zur Rohstoffquelle

Mit der Erneuerung der rund sieben Kilometer langen Transportleitung setzt die Holding Graz seit 2025 ein zentrales Infrastrukturprojekt zur langfristigen Sicherung der Trinkwasserversorgung um. Die Leitung ist ein wesentlicher Baustein ­
im Grazer Wassernetz: Im Normalbetrieb deckt sie rund 15 Prozent des täglichen Wasserbedarfs der Stadt, bei Spitzenlasten oder Störfällen kann ihr Anteil auf bis zu 50 Prozent steigen. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Betriebssicherheit, Langlebigkeit und eine verlässliche Umsetzung. Das Projekt steht dabei nicht nur für die technische Erneuerung einer in die Jahre gekommenen Transportleitung, sondern auch für gelebte Kreislaufwirtschaft im kommunalen Infrastrukturbereich: Die bestehende Graugussleitung wird rückgebaut, zum Standort des Rohrherstellers Tiroler Rohre (TRM) nach Hall in Tirol gebracht und dort als wertvoller Sekundärrohstoff wiederverwertet.

Lagerung alter, rostiger und neuer blauer Rohre zur Erneuerung der Wassertransportleitung auf einer Baustelle der Graz AG.
Alt trifft Neu: Die rückgebauten Graugussrohre werden recycelt, die neuen Gussrohre sichern künftig die Grazer Trinkwasserversorgung.
© Holding Graz/Foto Fischer
Stahlarbeiter mit Schutzkleidung kontrolliert glühendes Flüssigmetall beim Abstich in einer Metallgießerei.
Vom Schmelzofen bis zum neuen Rohrsystem: TRM verarbeitet Altmetall zu duktilem Gusseisen, das unter anderem für langlebige Wasserleitungen eingesetzt wird.
© TRM

Zentrale Leitung für die Grazer Versorgung

Die Bauarbeiten an der Transportleitung starteten im Mai 2025 und sind bis Oktober 2026 vorgesehen. Schon der Lieferumfang verdeutlicht die Größenordnung des Projekts: 7.090 Meter Rohre, rund 600 Formstücke und eine Gesamtmasse von etwa 1.450 Tonnen werden für die Erneuerung benötigt. Die Hauptleitung wird in den Dimensionen DN700, DN600 und DN500 ausgeführt. Bei den Rohrverbindungen setzt TRM auf ein schub- und zugsicheres System, das auch bei hohen Drücken und anspruchsvollen Trassenführungen für Betriebssicherheit sorgt. Weil dadurch häufig auf Betonwiderlager verzichtet werden kann, reduzieren sich Bauzeit, Materialeinsatz und Eingriffe in den Untergrund.

Zentrale Leitung für die Grazer Versorgung

Besonders deutlich wird der Nachhaltigkeitsgedanke beim Rückbau der alten Graugussleitung, die nicht als Abbruchmaterial endet, sondern wieder zum Rohstoff wird. Im Zuge der Erneuerung werden rund 1.000 Meter der historischen DN700-Transportleitung rückgebaut. Dabei fallen etwa 250 Tonnen Gussmaterial an. Dieses Material wird gezielt in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt. TRM erwirbt das Altmaterial von der Holding Graz und integriert das zurückgewonnene Eisen in den eigenen Recyclingprozess. „Für uns ist die alte Graugussleitung kein Abfallprodukt, sondern ein hochwertiger Rohstoff. Genau darin zeigt sich Kreislaufwirtschaft in der Praxis: Was über Jahrzehnte Teil der Grazer Wasserversorgung war, wird wieder zur Grundlage für neue langlebige Rohrsysteme“, sagt Rudi Stelzl, Vertriebsmanager bei TRM. Welche Größenordnung hinter diesen 250 Tonnen steht, zeigt der Vergleich: Das Altmaterial entspricht rund einem Viertel der neu errichteten DN700-Transportleitung. Es deckt außerdem etwa den durchschnittlichen Jahresbedarf der Holding Graz an Gussrohren oder, umgerechnet auf kleinere Dimensionen, rund 12,5 Kilometer Wasserleitungen DN100. Bestehende Infrastruktur wird damit zur Rohstoffquelle für kommende Generationen. Für TRM ist das Grazer Projekt ein anschauliches Beispiel für jene Produktionslogik, auf der die Gussrohrherstellung am Standort Hall grundsätzlich aufbaut. Für die Produktion der Rohr- und Pfahlsysteme aus duktilem Gusseisen kommt zu 100 Prozent Recyclingmaterial zum Einsatz. Rund 40.000 bis 45.000 Tonnen Alteisen werden dafür jährlich im Schmelzofen verarbeitet. Alte Rohre aus Grauguss oder Sphäroguss können dabei ebenso eingeschmolzen werden wie andere geeignete Schrotte. Daraus entsteht wieder hochwertiges Gusseisen für neue Rohrsysteme.

Blaue TRM Gussrohre und braune Muffenrohre gestapelt vor verschneitem Gebirgspanorama der Alpen.
Der Kreislauf sichtbar gemacht: rückgebautes Altrohr neben neuen Gussrohren.
© TRM

250 Tonnen Guss bleiben im Kreislauf

Besonders deutlich wird der Nachhaltigkeitsgedanke beim Rückbau der alten Graugussleitung, die nicht als Abbruchmaterial endet, sondern wieder zum Rohstoff wird. Im Zuge der Erneuerung werden rund 1.000 Meter der historischen DN700-Transportleitung rückgebaut. Dabei fallen etwa 250 Tonnen Gussmaterial an. Dieses Material wird gezielt in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt. TRM erwirbt das Altmaterial von der Holding Graz und integriert das zurückgewonnene Eisen in den eigenen Recyclingprozess. „Für uns ist die alte Graugussleitung kein Abfallprodukt, sondern ein hochwertiger Rohstoff. Genau darin zeigt sich Kreislaufwirtschaft in der Praxis: Was über Jahrzehnte Teil der Grazer Wasserversorgung war, wird wieder zur Grundlage für neue langlebige Rohrsysteme“, sagt Rudi Stelzl, Vertriebsmanager bei TRM. Welche Größenordnung hinter diesen 250 Tonnen steht, zeigt der Vergleich: Das Altmaterial entspricht rund einem Viertel der neu errichteten DN700-Transportleitung. Es deckt außerdem etwa den durchschnittlichen Jahresbedarf der Holding Graz an Gussrohren oder, umgerechnet auf kleinere Dimensionen, rund 12,5 Kilometer Wasserleitungen DN100. Bestehende Infrastruktur wird damit zur Rohstoffquelle für kommende Generationen. Für TRM ist das Grazer Projekt ein anschauliches Beispiel für jene Produktionslogik, auf der die Gussrohrherstellung am Standort Hall grundsätzlich aufbaut. Für die Produktion der Rohr- und Pfahlsysteme aus duktilem Gusseisen kommt zu 100 Prozent Recyclingmaterial zum Einsatz. Rund 40.000 bis 45.000 Tonnen Alteisen werden dafür jährlich im Schmelzofen verarbeitet. Alte Rohre aus Grauguss oder Sphäroguss können dabei ebenso eingeschmolzen werden wie andere geeignete Schrotte. Daraus entsteht wieder hochwertiges Gusseisen für neue Rohrsysteme.

Recyclingmaterial spart Rohstoffe und Transportwege

Auch die neuen Rohre für Graz bestehen vollständig aus Recyclingmaterial. Für das in der Gussrohrherstellung benötigte Flüssigeisen wird wiederverwerteter Stahlschrott eingesetzt, darunter sortierte Schrotte und Blechpakete aus der regionalen Industrie. Damit werden Transportwege reduziert und Primärrohstoffe geschont. Gerade im kommunalen Tiefbau ist dieser Aspekt wesentlich: Jede Leitung, die heute eingebaut wird, bindet große Mengen Material für Jahrzehnte. Nachhaltigkeit entscheidet sich daher nicht nur an der Herkunft des Materials, sondern auch an der Nutzungsdauer des Rohrsystems und an der Frage, ob der Werkstoff am Ende wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden kann.

Vier lächelnde Personen der Holding Graz vor blauen Rohren zur Erneuerung der Wassertransportleitung.
Vertreter von Holding Graz und TRM vor alten und neuen Gussrohren: Die Erneuerung der Transportleitung verbindet Versorgungssicherheit mit Kreislaufwirtschaft. Max Kloger (Geschäftsführer TRM), Holding Graz-CEO Gert Heigl, Holding Graz-Vorstandsdirektorin Alice Loidl und Beteiligungsstadtrat Manfred Eber (v.l.n.r.).
© Holding Graz/Foto Fischer

Langlebigkeit als Teil der Nachhaltigkeit

TRM verweist bei duktilen Gussrohrsystemen auf eine Lebensdauer von 100 Jahren und mehr. Diese Langlebigkeit ist für Wasserversorger ein wesentlicher Faktor, weil sie technische Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Ressourcenschonung miteinander verbindet. Eine langlebige Leitung reduziert über ihren Lebenszyklus nicht nur den Materialbedarf, sondern auch die mit Erneuerungen verbundenen Bauarbeiten, Verkehrsbeeinträchtigungen und Wiederherstellungsmaßnahmen. Die alte Graugussleitung aus dem Jahr 1950 zeigt, welche Nutzungsdauer Gussrohrsysteme in der Praxis erreichen können. Max Kloger, Geschäftsführer der Tiroler Rohre GmbH: „Als gebürtiger Steirer aus dem Hochschwabgebiet ist es mir eine Freude, dass wir dieses nachhaltige Projekt begleiten dürfen. Kreislaufwirtschaft mit der Wiederverwertung von Alteisen betreibt die TRM seit rund 80 Jahren.“ Mit der neuen Transportleitung wird nun erneut eine langfristig belastbare Grundlage für die Grazer Trinkwasserversorgung geschaffen – und zugleich ein Kreislauf fortgeführt, der weit über den einzelnen Leitungsabschnitt hinausweist.

Erschienen in zek KOMMUNAL, Ausgabe 2/2026