Alltagstauglicher Hochwasserschutz in Schwürbitz: Mobile Hochwasserwand mit Doppelfunktion
Bild: © Muhr
Schwürbitz am Main ist regelmäßig von Hochwasser betroffen, ein effektiver Hochwasserschutz war für die oberfränkische Gemeinde daher unerlässlich. Seit 2022 setzt man deswegen auf eine mobile Hochwasserwand von Muhr, die eine Doppelfunktion übernimmt – Geländerhalterung im Alltag, tragende Stütze der Dammbalken im Ernstfall. Im Normalbetrieb nahezu unsichtbar, im Hochwasserfall schnell aktiviert und darauf ausgelegt, Wege und Bebauung wirksam zu sichern.
Hochwasserschutz in Schwürbitz: Lehren aus der Flut von 1967
Besinnlich war das Weihnachten 1967 sicher nicht, als im oberfränkischen Schwürbitz das Hochwasser kam. Der Main, der die Gemeinde durchfließt, erreichte damals mit 591 Zentimetern einen historischen Höchststand. Straßen standen unter Wasser, Keller liefen voll, ganze Straßenzüge waren überflutet – ein Ereignis, das sich tief ins kollektive Gedächtnis der Gemeinde eingebrannt hat.
Wiederkehrende Hochwasser am Main: Dauerhafte Bedrohung für Schwürbitz
Doch auch in jüngerer Vergangenheit blieb Schwürbitz nicht von den Fluten verschont. Hochwasser ist hier kein seltenes Ereignis, sondern eine wiederkehrende Belastung. Immer wieder trat der Main über die Ufer und sorgte für Schäden und Einschränkungen. Allein in den letzten 25 Jahren (2002, 2003, 2011 und 2023) stieg der Main mehrmals auf über fünf Meter und bedrohte Wohnhäuser. Diese wiederkehrenden Ereignisse verdeutlichen, dass Schwürbitz dauerhaft mit der Bedrohung durch den Fluss leben muss – und dass verlässlicher Hochwasserschutz für die Kommune unverzichtbar ist. Die Planungen für den neuen Hochwasserschutz begannen deshalb schon vor einigen Jahren, 2022 konnte das Projekt abgeschlossen werden. Auftragnehmer war die Erhard Muhr GmbH aus dem bayerischen Brannenburg, ein Unternehmen mit mehr als 60 Jahren Erfahrung im Bau von Wasser- und Hochwasserschutzsystemen. Zum Einsatz kommt das MFW100P-System von Muhr. Dieses mobile Schutzsystem besteht im Wesentlichen aus Mittelstützen, die auf in der Gründung verankerten Ankerplatten befestigt werden, und leichten Aluminium-Dammbalken, die im Hochwasserfall zwischen die Stützen eingesetzt und von oben verpresst werden. Eine Bodendichtung sorgt dafür, dass auch im Kontakt mit der Oberfläche kein Wasser durchsickern kann. Die Schutzhöhen reichen bis 2,1 Meter bei Spannweiten von bis zu 4 Metern, womit das System für die örtlichen Gegebenheiten optimal geeignet ist.

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Mobiler Hochwasserschutz mit Mehrfachnutzen entlang des Uferwegs
Das Besondere in Schwürbitz: Der Mittelpfosten übernimmt eine Doppelfunktion. In der Trockenzeit dient er als Befestigung für das Geländer entlang des Flusswegs und fügt sich damit unauffällig in das Ortsbild ein. Tritt Hochwasser auf, wird derselbe Pfosten zur tragenden Säule für den mobilen Hochwasserschutz – die Dammbalken werden eingeschwenkt, verdichtet und bilden innerhalb kurzer Zeit eine stabile Schutzwand. Damit verbindet Schwürbitz Sicherheit und Alltagstauglichkeit auf besonders effiziente Weise. Für die Gemeinde bedeutet dies: keine massiven Betonmauern, die den Blick auf den Fluss verstellen würden, sondern eine flexible und platzsparende Lösung. Die Dammbalken werden in speziellen Paletten gelagert, lassen sich schnell an den Einsatzort bringen und ebenso rasch wieder abbauen. Regelmäßige Probeläufe stellen sicher, dass im Ernstfall alle Handgriffe sitzen und die Schutzlinie zuverlässig aufgebaut werden kann.

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Hochwasserschutz aus Bayern: Maßgeschneiderte Systeme für Kommunen
Die Erhard Muhr GmbH, ursprünglich aus der Mühlentechnik hervorgegangen, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Spezialisten für Hochwasserschutz entwickelt. Das familiengeführte Unternehmen setzt dabei auf maßgeschneiderte Lösungen, die den individuellen Gegebenheiten vor Ort entsprechen. „Kommunen wie Schwürbitz brauchen Lösungen, die einerseits zuverlässig schützen und andererseits im Alltag kaum sichtbar sind. Mit unserem MFW100P-System konnten wir beides verbinden – Sicherheit und eine ungestörte Nutzung des Flussraums“, betont Marko Knežević, Projektleiter Hochwasserschutz bei Muhr. „Gerade die Doppelfunktion des Mittelpfostens ist ein Beispiel dafür, wie sich Technik intelligent in bestehende Strukturen integrieren lässt.“

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Mehr Hochwassersicherheit und Lebensqualität für die Anwohner
Heute ist Schwürbitz durch das neue System deutlich besser gegen künftige Hochwasserlagen gewappnet. Der Ort zeigt exemplarisch, wie Kommunen durch vorausschauende Planung, den Einsatz moderner Technik und die Zusammenarbeit mit erfahrenen Partnern langfristig Sicherheit schaffen können. Für die Bewohner bedeutet dies ein spürbares Plus an Lebensqualität und die Gewissheit, im Ernstfall nicht schutzlos dazustehen.
Erschienen in zek KOMMUNAL, Ausgabe 3/2025