belastungsprobe für syn trac am großglockner

Autor: Patricia Pfister , 07.06.2021

Auf eine Seehöhe von 2.576 m schraubt sich die Großglockner Hochalpenstraße über eine serpentinenreiche Strecke von 48 km hinauf zur Passhöhe und wieder hinab.

Zwar wird sie erst im Mai wieder aus ihrem halbjährigen Winterschlaf geweckt, doch bis dahin bietet die Alpenstraße ein perfektes Testgelände für Winterdienstgerätschaften –  was das Land Salzburg sogleich für eine Belastungsprobe ihres im Probebetrieb befindlichen Syn Tracs nutzte.

Über rund 48 km erstreckt sich die Großglockner Hochalpenstraße und überspannt dabei Österreichs höchsten Berg. Das macht die Passstraße zum größten Denkmal des Landes – nicht nur was ihre Dimensionen betrifft, auch auf der heimischen Beliebtheitsskala belegt sie den Spitzenplatz: Laut einer Studie handelt es sich bei dem Alpenpass um Österreichs sehenswertestes Highlight, noch vor Stephansdom & Co. Diesem Fakt stimmt auch die große Fangemeinde an  Auto- und Motorradfahrern bei, die von der kurvigen Strecke und der einzigartigen Kombination aus Natur und Technik fasziniert sind, die die Großglockner Hochalpenstraße seit ihrer Eröffnung im Jahr 1935 so eindrucksvoll prägt. Für diese heißt es momentan noch geduldig sein: Etwa das halbe Jahr über befindet sich die Straße im Winterschlaf, eine bis zu 10 m hohe Schneedecke begräbt derzeit noch den Asphalt. Perfekte Bedingungen also, um Winterdienstgerätschaften auf Herz und Nieren zu überprüfen. Das erkannte auch das Land Salzburg und bat Peter Embacher von der Großglockner Hochalpenstraßen AG (GROHAG) um einen ausführlichen Probelauf ihres im Testbetrieb befindlichen Trägerfahrzeugs, das sowohl im Sommer- wie im Winterbetrieb zum Einsatz kommt. Dabei handelt es sich um einen Syn Trac, einem erst 2018 auf den Markt gekommenen Geräteträger, der die Konzepte von in der Kommunal- und Landwirtschaftsbranche bewährten Fahrzeugen, wie beispielsweise Traktor und Unimog, kombiniert. Diese Idee konnte bereits zahlreiche Gemeinden und Straßenmeistereien überzeugen, die Lösungen für besonders herausforderndere Einsätze suchten.    

POTENZIALABFRAGE AM GROSSGLOCKNER  
Die Fahrt mit dem Syn Trac Anfang März war nicht nur eine Gefälligkeit gegenüber seinen Kollegen vom Land Salzburg, die im heurigen Winter in ihrem Einsatzgebiet nicht die Bedingungen vorfanden, um das volle Potential des neuen Fahrzeugs auszutesten. Peter Embacher war selbst am Abschneiden des Syn Tracs bei der Belastungsprobe am Großglockner interessiert. Schließlich kennt der Betriebsleiter der GROHAG und Leiter der Schneeräumung die Passstraße wie kaum ein anderer. Das unumstritten Spannendste an seinem Job ist nämlich, so Peter Embacher, „jedes Jahr auch die größte Herausforderung: die Schneeräumung.“ Und ob diese mit dem Syn Trac zu meistern ist, war somit von höchstem Interesse, sowohl für das Land Salzburg als auch für die GROHAG. Das Testergebnis: „Jeweils zwei Syn Tracs mit Frässchleudern wurden auf einer Strecke von 2,5 km bei großen Schneemengen eingesetzt – die sogar so massig waren, dass wir teilweise auf die Schneedecke aufsteigen mussten, um zu räumen“, erzählt Peter Embacher. Sein Resultat nach zwei Stunden Räumarbeit: „Alle Achtung: Das Fahrverhalten hat überzeugt. Man hat eine sehr gute Übersicht auf das Räumgerät, die Wendigkeit ist beachtlich und die Allradlenkung macht das Arbeiten einfacher.“    

ÜBERSICHTLICHKEIT BEI DER ARBEIT    
Die Übersichtlichkeit ist zum einen der Konstruktion des Fahrzeugs geschuldet – der Syn Trac verfügt über keine Motorhaube –, zum anderen sorgt die Komfortkabine, die mit besonders großen Glasflächen entwickelt wurde, für gute Sichtverhältnisse. Dem zu Gute kommen auch die kompakten Ausmaße des Syn Tracs von 2,55 m Breite, einer Höhe von 3,40 m, 3,30 m Achsabstand und 4,70 m Länge.     

DOCKINGSYSTEM ERLEICHTERT GERÄTEANBAU    
Ein besonderer Clou des Syn Trac ist das flexible Docking-System. Alle Anbaugeräte können vollautomatisch (auf Knopfdruck, ohne die Kabine zu verlassen) an- und abgekoppelt werden. Dabei werden alle Medien, also Hydraulik, Pneumatik, Zapfwelle, Elektrik sowie die Software des vollautomatischen Kopplungsvorgangs in unter einer Minute angebracht. Neben der Zeitersparnis spricht auch die Sicherheit für das Dockingsystem, so muss hier niemand zwischen Fahrzeug und Anbaugerät herumhantieren. Das Docking­system ist vorne und hinten spiegelgleich. Bei den Anbaugeräten gibt es kaum Grenzen. Die Anbaugeräte werden nach Kundenwunsch vom Hersteller zugekauft und mit geringem Aufwand wird der Adapter montiert. Auf Wunsch ist auch ein „Normadapter“ verfügbar, ein ­Adapter mit Dreipunkthubwerk/­Anhänge­kupp­lung oder Kommunalanbauplatte.    

IDEALES FAHRVERHALTEN    
Es können nicht nur Anbaugeräte über das Dockingsystem gekoppelt werden, sondern auch eine dritte angetriebene und nicht angetriebene Achse. Der Vorgang wird ebenso von der Kabine aus gesteuert und lässt sich in unter einer Minute durchführen. Das Achssystem besteht aus Tatra-Achsen mit Einzelradaufhängung, für den Komfort ist zusätzlich eine hydropneumatische Federung integriert. Alle Achsen sind gelenkt, somit ist der Syn Trac sehr wendig, wobei das Fahrzeug einen Wenderadius von 4,5 m aufweist. Frontlenkung, Allradlenkung und Hundeganglenkung sind standardmäßig im Syn Trac integriert.    

Positives Fazit nach Testfahrt    
Fazit des Tests für Peter Embacher: Der Syn Trac käme als Unterstützung bei der Passräumung in Frage, die heute noch von den speziell für den Einsatz am Großglockner konstruierten und mittlerweile über 60 Jahre alten Wallack-Räumraupen gemeistert wird. „Für 80 Prozent der Strecke – dort, wo kein Raupenfahrwerk notwendig ist – könnte man den Syn Trac einsetzen.“ Um seine Fähigkeiten noch genauer zu überprüfen, könnte der Syn Trac bei der nächsten Passöffnung sogar mitwirken.

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Der Syn Trac durfte sich zusammen mit ­einer Kahlbacher-Schneefrässchleuder bei den hochalpinen Verhältnissen der Großglockner Hochalpenstraße bewähren.

Foto: Kahlbacher

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Ein besonders gutes Kurvenverhalten ergibt sich durch die Lenkbarkeit von Vorder- und Hinterachse.

Foto: Kahlbacher

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Die klassische Motorhaube, wie man sie von Traktoren kennt, fehlt. An dieser Stelle befindet sich ein Docking-­System, das das Ankoppeln von Anbaugeräten ohne abzusteigen innerhalb einer Minute ermöglicht. Durch die gute Übersicht und das vollautomatische Ankoppeln von Anbaugeräten erhöht sich die Sicherheit enorm.

Foto: Kahlbacher