BIOMASSE IN OÖ: TROTZ "ÖL-KRISE"

Autor: Patricia Pfister , 02.05.2016

Eine Öl-Krise der anderen Art traf das Projekt Biomasseheizwerk Windischgarsten. Waren die letzten Jahre gezeichnet von dem in luftige Höhen schnellenden Ölpreis, sinkt dieser momentan  schnell.

 

Nicht die besten Voraussetzungen für ein umweltschonendes Konkurrenzprodukt wie Biomasse, das auch preislich unter Druck gerät. Umso wichtiger ist es, dass es trotz dieser widrigen Umstände Mutmacher-Projekte wie das Heizwerk im oberösterreichischen Windischgarsten gibt.

Mut ist, wenn man es trotzdem macht. Diese Einstellung trifft auf das neue Heizwerk im oberösterreichischen Windischgarsten zu – fiel doch die Projektierung auf einen suboptimalen Zeitpunkt, wie es Landesrat Max Hiegelsberger anlässlich der Inbetriebnahme der Biomasseanlage im September 2015 betonte: „Es ist bei diesen billigen Ölpreisen zwar der schlechteste Zeitpunkt, ein Heizwerk zu eröffnen, doch es ist ein Bekenntnis der Gemeinde zur regionalen und umweltfreundlichen Energie.“ So führte es beim Heizwerk in Windischgarsten nicht nur trotzdem, sondern gerade auch wegen der widrigen Umstände zu einer Realisierung – und hat so eine Vorbildfunktion für andere Gemeinden. „Jede Region wird sich in Zukunft überlegen müssen, ob das Billigste immer das Beste für sie ist. Deshalb braucht es Mutmacher wie die Gemeinde Windischgarsten. Und das Land unterstützt sie auf diesem Weg“, erklärte Max Hiegelsberger. Dass dieser Weg kein einfacher war, erklärt Laurenz Stummer, Obmann und treibende Kraft des Projektes: „Wir haben so viele Ölheizer in der Region. Nun gibt es eine Alternative, die einen besseren Komfort und eine sichere Versorgung bietet.“

Spatenstich im Dezember 2014
Mit dem neuen Biomasseheizwerk in Windischgarsten kommt Oberösterreich seinem großen Ziel wieder ein bisschen näher: Das Land ist bestrebt, bis 2030 Raumwärme und Strom ausschließlich durch erneuerbare Energie zu produzieren. Mit Ende letzten Jahres begannen die Bauarbeiten an dem Heizwerk. Besonders stolz auf die neue Anlage ist der Bürgermeister der Gemeinde, Ing. Norbert Vögerl. „Als Bürger­meister von Windischgarsten ist es mir eine besondere Ehre, einen weiteren Meilenstein in unserer langen Geschichte mit dem Spatenstich für das neue Biomasseheizwerk setzen zu dürfen”, erklärte er beim Festakt am 18. Dezember 2014. „Als Luftkurort setzen wir mit der neuen Biomasse-Nahwärmeanlage ein Zeichen für den Klimaschutz, aber auch für unsere Region.“

Windischgarsten ist 21. Werk unter dem Dach der Bioenergie OÖ
Nach mehreren Anläufen, die in den Projektphasen stecken blieben, griff die Energiemodellregion Pyhrn-Priel vor zwei Jahren das Thema der zentralen Wärmeversorgung für Windischgarsten neu auf – und diesmal wurde die Idee umgesetzt. Nach einer zweijährigen Planungsphase, einer Bauzeit von etwa sechs Monaten und einem Investitionseinsatz von 2,5 Millionen Euro konnte das Biomasseheizwerk im September eröffnet werden – das 21. Werk unter dem Dach der Bioenergie OÖ. Betrieben wird es genossenschaftlich von zehn Landwirten, deren Obmann stellt Ing. Laurenz Stummer. „Ohne die Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführenden Vorstand der Bioenergie OÖ, Alois Voraberger, hätten wir dieses Projekt nicht realisieren können“, zeigt sich der Betreiber zufrieden mit der Kooperation. „So ein Bauvorhaben ist ein Agendaprozess, der nicht von heute auf morgen abgeschlossen ist. Wir sind unseren Weg konsequent gemeinsam gegangen. Heute freuen wir uns nachhaltige, umweltfreundliche Wärme für Windischgarsten zu produzieren.“

Waldreiche Region
Windischgarsten bildet das Zentrum der Urlaubsregion Pyhrn-Priel, umrahmt von den Bergen der Haller Mauern im Süden, des Sengsengebirges im Norden am Rande des Nationalparks Kalkalpen und des Toten Gebirges im Westen. Weitläufige Waldbestände umsäumen die Region – der Gedanke an eine nachhaltige Wärmeversorgung mit Biomasse liegt auch im geografischen Sinne nah. Die Versorgungssicherheit bei Biomasse sucht ihresgleichen. Über 50 Prozent der Fläche des Pyhrn-Priel-Gebietes sind mit Wald bedeckt. Momentan wird die dreifache Menge der für das Heizwerk benötigten Menge an Hackschnitzel in andere Regionen transportiert. Jedes Jahr wächst mehr Holz nach als genutzt wird. „Mit der Nutzung der heimischen Ressource Holz kommt Geld in die Region, das sonst ins Ausland abfließen würde. Der Euro bleibt bei uns und wird wieder sinnvoll investiert", betont Laurenz Stummer. Auf Regionalität legte man aber nicht nur bei der Versorgung mit Hackschnitzel großen Wert. „Es wurde besonderes Augenmerk auf eine ausfallsichere und robuste Technik Made in Austria gelegt", so der Betreiber. Sämtliche Gewerke wurden an oberösterreichische Unternehmen vergeben – ein zusätzlicher Wirtschaftsimpuls für die Region.

Einsparung von 340.000 Liter Heizöl und 920 Tonnen CO2
Das Biomasseheizwerk hat eine Leistung von rund 1,8 MW. Es ersetzt jährlich an die 340.000 l Heizöl und spart damit 920 Tonnen CO2 ein. Zehn ortsansässige Bauern liefern regionale Biomasse und betreiben das Heizwerk. Die Nutzung von Biomasse hat viele Vorteile, oft vergessen wird jedoch die erhöhte Motivation für die Waldbesitzer, ihre Forste zu pflegen. „Die Forst- und Holzwirtschaft ist weiterhin der größte Devisenbringer Österreichs – noch vor dem Tourismus“, betont Landesrat Max Hiegelsberger die Wichtigkeit des neuen Biomasseheizwerks. „Der große Vorteil eines Biomasseheizwerkes liegt in der CO2-neutralen Verbrennung und im wartungsfreien und bedienungsfreundlichen Betrieb. Es wird nur Warmwasser geliefert, und somit gelangt kein gefährlicher Brennstoff ins Haus oder muss gelagert werden. Schornsteine, Anschaffungskosten und die Wartung für Brenngeräte entfallen. Es wird nur das bezahlt, was als Wärme abgenommen wird“, zeigt Ing. Alois Voraberger die Vorteile einer Nahwärmeanlage auf. Wie global nachhaltig ein Umdenken in der Energiegewinnung ist, zeigt der direkte Vergleich zur konventionellen Wärmeerzeugung. „Die fossilen Importe kommen aus politisch instabilen Regionen, und bei uns wächst der Wald in die Ortschaften hinein.“ Der nun schon gegebene Umweltschutz durch die Reduzierung von Kohlenstoffdioxidemissionen wird im Endausbau noch gesteigert: „Wir werden im Endausbau jährlich ca. 1.400 Tonnen CO2 einsparen“, erläutert der Betreiber Laurenz Stummer. Durch die Doppelkesselanlage mit je 1.000 kW und 750 kW Leistung und dem 60.000 Liter Pufferspeicher wird aber bereits jetzt ein effizienter Betrieb des Werks unter minimalen Emissionen gewährleistet. Die Herausforderung sehen die Betreiber, mit so wenig Rohstoffeinsatz wie möglich höchstmöglich Energie zu erzeugen, und durch den optimalen Transport zum Kunden über das 2.500 m lange Leitungsnetz die Verluste gering zu halten.

Qualitätssprung in der Wärmeversorgung von Windischgarsten
Windischgarsten erfüllt als lokales Ballungszentrum im Garstnertal die Voraussetzungen für die Umsetzbarkeit eines Nahwärmenetzes: Die notwendige Dichte an Gebäuden ist vorhanden, diese sind meist auf zwei Obergeschosse angelegt. Das Biomasseheizwerk realisierbar machte außerdem der Wille der Gemeinde, zahlreiche öffentliche Gebäude wie das Schul- und Gemeindezentrum an das Nahwärmenetz anzuschließen. Bereits Ende 2013 stimmte der Gemeinderat von Windischgarsten einstimmig für den Anschluss der Schulen, des Kindergartens, des ehemaligen Gerichtsgebäudes sowie des Kulturhauses an das künftige Biomasseheizwerk. „Wir bieten mit dem Heizwerk eine zukunftsweisende Dienstleistung an, die alle im Ort in Anspruch nehmen können", ist Laurenz Stummer von der Biomasseanlage überzeugt. Es werden 30 Gebäude an das Nahwärmenetz angeschlossen – unter anderem öffentliche Einrichtungen, Banken, gemeinnützige Wohnbauten, private Häuser und Gewerbebetriebe. „Außerdem werden alte Heizanlagen mit schlechten Jahresnutzungsgraden durch Übergabestationen ersetzt, die auch Komfort im Bereich der Wärme­regelung bieten.“ Das Ziel des Betriebs ist die Verbesserung des Komforts im Bereich der zentralen Wärmeversorgung. „Für die Kunden bieten wir ein Facility Management, ein Rundumservice im Bereich der Energieversorgung.“ „Für Windischgarsten ist das Heizwerk ein Qualitätssprung in der Wärmeversorgung“, ist sich Alois Voraberger von der Bioenergie OÖ sicher.

 

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HEIZHAUS

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Nach einer zweijährigen Planungsphase, einer Bau­zeit von etwa sechs Monaten und einem Investitions­einsatz von 2,5 Millionen Euro konnte das Biomasseheizwerk im September eröffnet werden.

Foto: ÖBMV

PATENSCHAFT FÜR KESSEL

Windichgarsten Einweihungsfeier Taufe MAX

 

Landesrat Max Hiegelsberger und Bürgermeister Ing. Norbert Vögerl übernahmen für den größeren der beiden Biomassekessel die Patenschaft.

Foto: ÖBMV

BIOMASSEKESSEL

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Die beiden Biomassekessel von Fröling verfügen über eine Nennleistung von 1.000 kW und 750 kW.

Foto: ÖBMV

TECHNISCHE DATEN

Anschlussleistung: 2.500 kW
Leistung: 1,8 Megawatt
Kesselleistung: 1000 kW + 750 kW
Netzlänge: 2.500 m
CO2 Einsparung: 920 to/Jahr
Ölersatz: 340.000 Liter


Projektbeteiligte
Planung: Technisches Büro
Biomasseverband OÖ und
Ing. Siegfried Kniewasser
Biomassekessel: Fröling
Heizhausinstallation und elektrotechnische Einbindung: 
Pöttinger Installations GmbH & Co KG
Hochbau: Ing. Roland Kretschmer Baumeister und Zimmermeister GmbH
Wärmenetz: Zauner Anlagenbau GmbH