Durch Strahlverfahren zurück zum alten Glanz

Autor: Niels W. Buhrke , 14.02.2022

Hunderte Millionen Euro fließen in die Entfernung von Graffitis – ein guter Grund also für Kommunen, sich über eine kosten- und zeiteffiziente Reinigung Gedanken zu machen.

Je nach Sensibilität des zu säubernden Untergrunds und der Hartnäckigkeit der Verschmutzung, kommen unterschiedliche Reinigungsmethoden in Frage.   

Graffitis zählen in vielen Städten zu den öffentlichen Ärgernissen ersten Ranges. Ihre Beseitigung kostet die öffentliche Hand jährlich mehrere hundert Millionen Euro. Wie lassen sie sich am besten entfernen? Strahlverfahren gehören nicht nur zu den effizienten, sondern zu den vielseitig einsetzbaren, professionellen Reinigungsmethoden, die sich vor allem auch zur Graffiti-­Beseitigung eignen.  Nachstehend ein Überblick über einige bewährte Verfahren und ihre aktuellen Einsatzmöglichkeiten und Vorteile.

Partikelstrahlverfahren – bei hartnäckigen Verschmutzungen    
Wenn hartnäckige Verschmutzungen, wie etwa Graffitis, aber auch Schmutzkrusten, Versinterungen und Zementschlämme besonders schonend entfernt werden müssen, kommen Partikelstrahlverfahren zum Einsatz. Auch bei der Vorbereitung des Untergrunds für Neuanstriche hat sich dieses Verfahren bewährt. Bei dem Verfahren wird ein Luftstrom (Kompressor mit einer Mindestleistung von  4 m³ pro Minute) verwendet, dem genau dosiert  Strahlmittel zugesetzt werden. Durch die sachgerechte Wahl von Strahlmittelart und -menge und der Höhe des Luftdrucks lässt sich die Wirkungsweise des Verfahrens an zahlreiche Oberflächen anpassen. Zurzeit sind etwa 2.000 Strahlmittelsorten am Markt erhältlich, von z. B. Hochofenschlacken über Kalk- und Glaspudermehl bis zu Kalziumkarbonat. Sie unterscheiden sich nicht nur im verwendeten Ausgangsmaterial, sondern auch in der Größe und Form des Korns und in dessen Härte. Durch Wasserzugabe an der Düse wird  die Staubentwicklung weitgehend unterbunden („Feuchtstrahlen“). Außerdem werden das Strahlgut und die abgelösten Farbstoffe im Wasser gebunden.    

Flexibel – die Injektorstrahlsysteme    
Neben den im Baugewerbe verbreiteten Druckkesselstrahlverfahren haben sich für den flexiblen Einsatz Injektorstrahlsysteme bewährt, die einfach in einem Koffer zu transportieren sind und sehr geringe Rüstzeiten haben. Daher kommt dieses Verfahren besonders bei der Graffiti-Entfernung zum Einsatz, da die Schmierereien oft nur punktuell und nicht immer  großflächig anzutreffen sind. Außerdem ist es im Ein-Mann-Betrieb einsetzbar und sehr anpassungsfähig. Alle Parameter – Luftmenge und -druck, Wasser- und Strahlmittelmenge – können an der Pistole vom Anwender auf den jeweiligen Grad der Verschmutzung und den Untergrund hin eingestellt werden. Dies bedeutet, dass der Bediener die Möglichkeit hat, insbesondere die Strahlgutart sehr schnell zu wechseln, von sehr schonend bis sehr abrasiv.    

Das Injektorstrahlverfahren zeichnet sich durch folgende Vorteile aus:    
• einfacher Transport und geringe Rüstzeiten
• hohe Anpassungsfähigkeit    
• vielseitige Anwendbarkeit    
• Umweltfreundlichkeit    
• geringe Betriebs- und Investitionskosten    
• Sicherheit in der Handhabung    

Um Kosten und Quadratmeterleistung genau ermitteln zu können, ist es ratsam vor Ort immer eine Probereinigung durchzuführen.    

Hochdruckreinigung mit Nassstrahleinrichtung    
Bei der Reinigung an Fassaden wird in erster Linie an den Hochdruckreiniger gedacht, der hier in der Regel nicht mehr wegzudenken ist. Ob Kaltwasser- oder Heißwassergeräte zum Einsatz kommen, hängt von der Art und dem Grad der Verschmutzung ab. Dabei ist ein Trend zum Heißwassergerät zu erkennen, da durch den Faktor Temperatur vor allem fettige oder ölige Verschmutzungen, aber auch Graffitis der leichteren Art einfacher zu entfernen sind.  Außerdem wird der Reinigungsmitteleinsatz reduziert oder entfällt und die Reinigungszeit wird um bis zu 40 Prozent verkürzt. Darüber hinaus trocknet die gereinigte Fläche wesentlich schneller ab. So kann der nächstanstehende Arbeitsgang rasch erfolgen. Weiter spielt bei der Gerätewahl die Wassermenge eine große Rolle. Diese ist entscheidend für den Aufpralldruck, der die Reinigungsmechanik in erster Linie bestimmt. Und sie erleichtert den Abtransport des gelösten Schmutzes. Neben der Berücksichtigung dieser Faktoren sind auch die Art der Düse, der Spritzwinkel (in der Regel wird mit einer 40 Grad-Düse gearbeitet) und der Spritzabstand von erheblicher Bedeutung.    

Trockeneisstrahlverfahren – vielseitig anwendbar    
Der Einsatz von Trockeneis ist eine noch relativ junge Reinigungsmethode. Der Einsatzbereich ist breit gefächert: Es lassen sich effektiv und schonend Fette, Öle, Klebstoffe, Bindemittel, Silikone entfernen. Außerdem: Weil das Verfahren korrosionsfrei und kaum abrasiv ist, kann es auch zum Reinigen empfindlicher Oberflächen oder zur Graffitientfernung eingesetzt werden. Der Einsatz des Trocken­eisstrahlens ist immer dann angebracht, wenn andere Reinigungsverfahren durch gesetzliche Vorschriften verhindert werden oder wenn diese Methoden zu keinem Erfolg führen würden bzw. nur mit enormen Zeit- und Kostenaufwand anwendbar wären. Dabei muss der Einsatz genau abgewogen werden, da diese Technik von den hier vorgestellten die meisten Kosten bedeutet. Mit einem Druckluftstrahl werden die Trockeneispartikel aus der Pistole heraus auf bis zu Schallgeschwindigkeit beschleunigt und sublimieren sofort nach dem Auftreffen auf der zu behandelnden Oberfläche. Sie entfalten dabei eine dreifache Wirkung:     

  • Wie bei allen anderen Strahlverfahren geben die beschleunigten Partikel ihre kinetische Energie beim Aufprall ab.    
  • Die zu entfernende Schicht kühlt durch das -79 Grad kalte Eis abrupt ab, versprödet und reißt auf.    
  • Teile des gefrorenen Kohlendioxids dringen in die Risse von Schmutzkrusten und Farb­aufträgen ein, sublimieren dort unter einer 400-fachen Volumenvergrößerung und spren­gen sie – im mikroskopischen Bereich – regelrecht ab.    

Der Schmutz wird somit ohne den Einsatz von hohem Druck oder Wasser abgelöst und fällt von der Oberfläche ab – da sich das Trockeneis beim Auftreffen auf die Oberfläche in einen gasförmigen Stoff wandelt, bleiben keine Rückstände, wie beim Partikel- und Injektorstrahlverfahren.

 

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Kurze Rüstzeiten und ein leichter Transport machen die GS-Strahlpistole zu einem „Ein-Mann-System“. Durch die direkte Einstellung des Luftdrucks, der Wassermenge und der Strahlgutmenge an der Pistole selbst ist diese auf allen Oberflächen einsetzbar.

Foto: Kärcher

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Graffitientfernung mit dem Trockeneisstrahlverfahren

Foto: Kärcher

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Fassadenreinigung mit einem Heißwasserhochdruckreiniger

Foto: Kärcher