Städtische Anlagen bewässern: Lange Leitung für den Wall

Autor: Patricia Pfister , 19.07.2021

Die Stadt Krefeld suchte eine Lösung gegen langanhaltende Trockenheit: Es galt, eine belebte Grünfläche im Stadtgebiet zu bewässern. Nach negativen Erfahrungen mit Vandalismus und aus Rücksicht...

auf Fußgänger kam ein Rasensprenger nicht in Frage. Eine Recherche zu Bewässerungsanlagen brachte die unterirdisch verlegbare Tröpfchenbewässerung der Gefa Fabritz GmbH ins Spiel. Ein Heimspiel für den Spezialanbieter.

Im 19. Jahrhundert war Krefeld als Seidenstadt gut betucht. Im Auftrag der Stadtherren setzte Architekt Adolph von Vagedes diesen Reichtum im Stadtbild um. 1819 legte er die Planung für einen repräsentativen Boulevard vor, der die Innenstadt quadratisch einschließen sollte. Zum Jubiläumsjahr 2019 realisierte Krefeld ein Investitionsprogramm, in dessen Zug der „Wall“ modernisiert und teilweise neu gestaltet wurde. Besonderes Augenmerk lag bei der Sanierung darauf, ihn als öffentliche Grünfläche und Naherholungsgebiet zu etablieren. Mit reduzierter Parkfläche, neuen Spielplätzen und Platz zum Schlendern sollten die vier Straßenzüge die Krefelder Bürger ins Freie locken. Für den historischen Baumbestand am Westwall suchte Michael Krause vom damaligen Dezernat Umwelt, Grünflächen, Sport und Gesundheit eine besondere Lösung: „Am Westwall haben wir 80 Jahre alte Eichen, die leiden unter den trockenen Sommern. Unsere Kolonne geht im Schnitt zweimal pro Woche durch die Anlagen, dabei sind die Kollegen allerdings mit Aufräumen und Pflegen ausgelastet. Für manuelles Gießen bleibt da keine Zeit“, erläutert der Diplom-Ingenieur, „eine Beregnungsanlage musste her.“    

Unterirdische Speziallösung    
Oberirdische Regner kamen nicht in Frage, denn die Grünanlagen sind von Wegeflächen durchzogen, die Passanten hätten regelmäßig nasse Füße. Auch Vandalismus ist bei oberirdischen, sichtbaren Systemen im öffentlichen Raum immer wieder ein Problem. Krause erinnerte sich an Gespräche mit der Gefa Fabritz GmbH. Das ebenfalls in Krefeld ansässige Unternehmen hat sich auf Speziallösungen für den Garten- und Landschaftsbau spezialisiert – von der Kronensicherung über das Wurzelmanagement bis hin zur Bewässerungsplanung. Auf Krauses Nachfrage hin schlug Fachberater André Carstens eine unterirdisch verlegte Tröpfchenbewässerung vor und erhielt den Zuschlag, solch ein System zu planen.    

Wasser gelangt zielgerechtet zur Wurzel    
Carstens entwarf per CAD ein unterirdisches Bewässerungssystem, das das Wasser zielgenau an die Wurzeln bringt. Damit werden Sickerverluste vermieden und der Boden verschlammt auch nicht. Mit der fertigen Planung in der Hand, hatte Krause zunächst noch einige bürokratische Hürden zu nehmen, bis er mit der Ausführung beginnen konnte. „Der Beschluss und die Geldmittel waren relativ schnell beisammen, auch Fördermittel des Landes konnten wir in Anspruch nehmen.“ Nachdem das öffentliche Vergabeverfahren abgeschlossen war, wurde der Auftrag an den lokalen Garten- und Landschaftsbaubetrieb Krins & Sohn Gartengestaltung GmbH für die Ausführung vergeben. Die Länge und Lage der Tropfschläuche hatte Carstens gezielt auf die Vegetation ausgerichtet, sodass Bäume als auch Grünflächen perfekt versorgt werden können. Die CAD-Planung von Gefa Fabritz sah Tropf- und Verteilrohre von rund 100 Metern Länge, dazu weitere 1.000 Meter Verteilerleitung PE sowie rund 3.400 Meter Tropfschlauch vor. Die Tropfschläuche sollten entsprechend der Planung in einer Einbautiefe von zehn Zentimetern verlegt werden, damit das Wasser verdunstungsfrei direkt im Wurzelgeflecht austritt.    

Rasche Schlauch-Verlegung    
Die Bauleitung für die Durchführung der Baumaßnahme lag beim zwischenzeitlich gegründeten Kommunalbetrieb Krefeld AöR, in dem Bau und Unterhaltung von Straßen, Grünflächen und Spielplätzen mit weiteren städtischen Aufgaben gebündelt sind. Mit einer handgeführten Bodenfräse machten sich die Landschaftsgärtner an die Arbeit, um die teils gewundenen Versorgungskanäle effizient zu realisieren. Michael Krause zeigt sich begeistert von der raschen Verlegung: „Der Landschaftsbau-Betrieb hat sehr gut gearbeitet: Boden auf, Schlauch rein, Boden wieder zu. Da bin ich sehr dankbar.“ Innerhalb weniger Tage waren die Arbeiten im Herbst 2019 erledigt. Die Tropfschläuche der Marke Rain Bird sind aus einem speziell entwickelten Werkstoff, der eine schnelle Verlegung mit wenigen Winkelstücken ermöglicht. Bei einem Tropferabstand von 30 cm gelangen so 2,3 Liter pro Stunde pro Tropfer in den Boden. Gesteuert wird per Zeitschaltuhr: Magnetventile regeln die Wasserzufuhr zu den Versorgungsleitungen, die ebenso unterirdisch entlang der Wege gelegt wurden.

Schutz vor Wurzeleinschüssen    
Die Bauphase ist abgeschlossen. Genau einjustiert wird das Bewässerungssystem jedoch noch in der heurigen Wachstumsperiode. Die Bewässerung des Walls ist mit diesem System dann auch für die kommenden Vegetationsperioden gesichert – ohne dass manuell bewässert werden muss. Die Anlage selbst ist außerdem sehr wartungsarm. Denn die Tropfschläuche sind dank der zum Patent angemeldeten Rain Bird Copper Shield-Technologie vor Wurzeleinwuchs geschützt. Ein extra breiter Strömungsweg kombiniert mit einer Selbstspülung lassen selbst feinen Sand außen vor. Der Hersteller gibt zudem sieben Jahre Garantie gegen Spannungsrisse.     

Digitale Bewässerungsoptimierung         
Der Kommunalbetrieb hat die Planung noch nicht abgeschlossen. „Mein Ziel ist es, die Anlage noch mit Sensoren und einem intelligenten Steuergerät auszustatten, damit sie sich über den PC steuern lässt,“ verrät Krause. Laut Hersteller lassen sich unter Einbeziehung aktueller Wetterprognosen mit der Software bis zu 70 Prozent Wasser einsparen. Und die Grünfläche am Wall wird weiterhin gedeihen.

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Das Bewässerungsprojekt berücksichtigt die Nutzung und Bepflanzung von  West- und Südwall.

Grafik: GEFA Fabritz GmbH

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Die vier Wallstraßen sind charakteristisch für die Stadt Krefeld.

Foto: Pixabay/David Mark

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Mit den flexiblen Tropfrohren lassen sich verschiedene Bewässerungsbereiche definieren.

Foto: KBK/Michael Krause

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Mit einer Bodenfräse wurden Kanäle für die Bewässerungsschläuche geschnitten.

Foto: KBK/Michael Krause