Wien stärkt das Rückgrat seiner Wasserversorgung
Bild: © Alpe Pipe Systems
Mit der Strategie „Wiener Wasser 2050“ bereitet sich Wien auf wachsenden Bedarf und höhere Anforderungen an die Versorgungssicherheit vor. Damit die Trinkwasserversorgung auch künftig auf hohem Niveau gesichert bleibt, investiert die Stadt in zusätzliche Transportkapazitäten und mehr Redundanz. Zu den wichtigsten Vorhaben zählt die neue 5. Hauptleitung, die vor allem den Norden und Westen Wiens zusätzlich absichern soll.
Neue 5. Hauptleitung sichert Wiens Trinkwasserversorgung
Wien ist für sein hochwertiges Hochquellwasser bekannt. Dass Tag für Tag rund 400.000 Kubikmeter Trinkwasser aus den Kalkalpen in die Stadt gelangen und dabei Strecken von teils bis zu 180 Kilometern zurücklegen, ist das Ergebnis einer Infrastruktur, die seit dem 19. Jahrhundert konsequent weitergebaut, abgesichert und an neue Anforderungen angepasst wird. Dass ein System dieser Größenordnung auch in Zukunft verlässlich funktioniert, ist eine Frage vorausschauender Planung – und genau hier setzt die Strategie „Wiener Wasser 2050“ an. Sie bündelt jene Projekte, mit denen Wien seine Wasserversorgung langfristig absichern will. Zusätzliche Transportleitungen, größere Reserven und mehr Redundanz sollen dafür sorgen, dass auch eine wachsende Stadt verlässlich versorgt werden kann. Zu den wichtigsten Vorhaben zählt dabei die neue 5. Hauptleitung: Sie verläuft künftig vom 16. bis zum 19. Bezirk, umfasst insgesamt 5,2 Kilometer und wird seit Juli 2024 in drei Bauabschnitten umgesetzt. Die Fertigstellung ist für Herbst 2027 vorgesehen. Über die neue Leitung können bis zu 1 m³ Wasser pro Sekunde transportiert werden. Rechnerisch lassen sich damit mehr als 600.000 Menschen versorgen, womit sie einen wichtigen Beitrag zur zusätzlichen Absicherung der nördlichen und westlichen Stadtgebiete leistet.
Bauen im dicht verbauten Stadtraum
Innerhalb dieses Gesamtvorhabens liegt ein 3,54 Kilometer langer Bauabschnitt in den Bezirken Währing und Döbling, an dem Alpe Pipe Systems beteiligt ist. Das Unternehmen mit Sitz in Stams in Tirol ist auf metallische Rohrsysteme spezialisiert und lieferte für Wien ein DN800-Stahlrohrsystem mit PE-Außenumhüllung und Zementmörtelauskleidung. Die große Nennweite verdeutlicht, welche Rolle dieser Abschnitt im Netz einnimmt: Er ist auf den Transport großer Wassermengen ausgelegt und entsprechend bedeutend für das Gesamtsystem. Für Wien standen bei der Wahl des Rohrmaterials Langlebigkeit, Betriebssicherheit und Trinkwassertauglichkeit im Vordergrund. Alpe Pipe Systems verweist bei seinem Stahlrohrsystem auf die Dauerhaftigkeit des Werkstoffs, auf hochwertige Beschichtungssysteme und auf einen umfassenden Korrosionsschutz: Bei fachgerechter Ausführung sind damit Nutzungszeiten von bis zu 120 Jahren möglich.
Langlebige Rohrsysteme für Trinkwasser
Die in Wien eingesetzten Rohre verfügen außen über eine dreilagige PE-Umhüllung, die sie gegen Einflüsse aus dem Erdreich schützt, und innen über eine Zementmörtelauskleidung. Letztere erfüllt nicht nur hygienische Anforderungen, sondern trägt auch zur Dauerhaftigkeit bei. Eine besondere Eigenschaft hebt Luis Kluibenschädl, Geschäftsführer von Alpe Pipe Systems, hervor: „Die Zementmörtelauskleidung verfügt über einen sogenannten ,Selbstheilungseffekt‘: Feine Risse schließen sich bei Wasserdurchfluss, wodurch ein langfristiger Betrieb ohne Nachbeschichtung möglich ist.“ Für den langfristigen und wartungsarmen Betrieb ist ebenso die Präzision in Fertigung und Verbindungstechnik entscheidend. Die Verbindungen werden verschweißt, visuell kontrolliert und zusätzlich stichprobenartig mit Farbeindringprüfung überprüft. Danach werden die Schweißstellen mit Schrumpfmanschetten umhüllt, um die durchgehende Außenbeschichtung sicherzustellen. Luis Kluibenschädl betont zudem die hohe Passgenauigkeit der Stahlrohre aufgrund von engen Produktionstoleranzen: „Gerade bei einem innerstädtischen Abschnitt mit zahlreichen Richtungsänderungen ist das ein handfester Vorteil.“

© Alpe Pipe Systems
Präzise Logistik im Leitungsbau
Wie anspruchsvoll innerstädtischer Leitungsbau ist, zeigt sich nicht zuletzt an der Logistik: Lagerflächen sind knapp, Bauabläufe eng getaktet, Anlieferungen müssen präzise abgestimmt werden. Für den Bauabschnitt wurden deshalb Teilmengen zunächst an einen Lagerplatz der Stadt Wien geliefert und von dort aus je nach Baufortschritt weitertransportiert. Die punktgenaue Anlieferung war eine wesentliche Herausforderung des Projekts. Gerade bei einer Leitung dieser Größenordnung braucht es eine enge Abstimmung zwischen Produktion, Transport und Bauablauf, damit auf der Baustelle weder Material fehlt noch Flächen unnötig blockiert werden. Auch auf Seiten der Stadt war eine enge Koordination gefragt. Grundlage für einen möglichst reibungslosen Ablauf waren eine gründliche Projektplanung, die Abstimmung im Rahmen der Baustellenkoordination sowie die frühzeitige Einbindung der Bezirke. Dazu kamen Abstimmungen mit der Verkehrsbehörde, um die Auswirkungen auf Verkehr und Anrainer so gering wie möglich zu halten.
Wichtiger Baustein der Wasserstrategie 2050
Die neue 5. Hauptleitung zeigt, wie Wien seine Wasserstrategie konkret umsetzt. Das Netz wird nicht erst dann erweitert, wenn Engpässe entstehen, sondern vorausschauend ausgebaut. Zusätzliche Transportkapazitäten erhöhen die Versorgungssicherheit und schaffen jene Redundanzen, die eine wachsende Stadt braucht. Der Abschnitt in Währing und Döbling steht exemplarisch für diesen Ansatz: groß dimensioniert, technisch präzise und unter den Bedingungen des dicht verbauten Stadtraums logistisch anspruchsvoll. So wird aus einer Strategie gebaute Infrastruktur, die die Wiener Trinkwasserversorgung langfristig absichert.
Erschienen in zek KOMMUNAL, Ausgabe 1/2026



