Wärme- und Datennetze dauerhaft im Blick: Verluste vermeiden statt Schäden beheben

13. Oktober 2026, Lesedauer: 6 min

Bild: © EKR-Netz-Management

Mehr als die Hälfte des investierten Kapitals einer Fernwärme liegt unter der Erde. Umso wichtiger ist es, Leitungsnetze nicht nach dem Prinzip „vergraben und vergessen“ zu behandeln. Wie groß der Nutzen frühzeitiger Diagnose und laufender Überwachung sein kann, zeigt das Beispiel der Fernwärme Nikitsch im Burgenland.

Holzschild der Fernwärme Nikitsch vor einer großen Holzscheune unter blauem Himmel.
Die Fernwärme Nikitsch zeigt, wie eng Wirtschaftlichkeit und Netzqualität zusammenhängen. Entscheidend ist nicht nur die Erzeugung der Wärme, sondern vor allem, wie verlustarm sie bei den Abnehmern ankommt.
© Fernwärme Nikitsch

Netzdiagnose schützt Fernwärme vor teuren Folgeschäden

Aufgrabungsarbeiten, schadhafte Muffen, kleine Beschädigungen am Mantelrohr oder Feuchtigkeit, die unbemerkt in die Dämmung eindringt: Was im Fernwärmenetz zunächst harmlos erscheint, kann sich über Jahre zu einem massiven Problem entwickeln. Genau deshalb ist es bei Nah- und Fernwärmenetzen mit dem Motto „vergraben und vergessen“ nicht getan. Denn zur Instandhaltung gehört nicht nur der Kessel im Heizwerk, sondern das gesamte System samt Leitungsnetz. Und gerade dort liegt der wirtschaftlich entscheidende Bereich: Denn während der Kessel rund 26 Prozent der Investitionskosten ausmacht, entfallen auf die Leitung rund 53 Prozent. EKR-Netz-Management widmet sich genau diesem wichtigen Part der Wärmeversorgung. Das Unternehmen hat sich auf die Diagnose, Überwachung und punktgenaue Ortung von Fehlern in Nah- und Fernwärmenetzen spezialisiert sowie deren raschen Sanierungen und zeigt, wie groß der wirtschaftliche Nutzen früher Eingriffe sein kann. Zum Repertoire von EKR-Netz-Management gehört auch die Diagnostik von Datenkabeln, die für die Regelsteuerung und die Zählerablesungung von Bedeutung sind.

Freigelegte, beschädigte Fernwärmeleitung mit gelber Isolierung in einer Baustelle im Erdreich neben weiteren Rohren.
Freigelegte Leitung mit beschädigter Isolierung: Im Netz entscheidet sich, wie viel der erzeugten Wärme tatsächlich beim Abnehmer ankommt.
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Frühe Leckortung statt aufwendiger Reparaturen

Wie entscheidend dieser Blick aufs Netz ist, zeigt das Beispiel der Fernwärme Nikitsch im Burgenland. Dort sorgte vor rund zwölf Jahren eine große Leckage für einen Schockmoment: Die Störung ließ sich lange nicht eindeutig orten, erst EKR-Netz-Management konnte die Schadstelle metergenau eingrenzen. Für Karl Prikoszovich, der den Anlagenbetrieb betreut und dem Vorstand der Genossenschaft Fernwärme Nikitsch angehört, war das der entscheidende Moment: Mit der Behebung des akuten Schadens war es nicht getan, unmittelbar danach wurde das gesamte Netz überprüft, um weitere Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und nicht erst auf den nächsten größeren Schaden zu warten. „Wir haben in Nikitsch 55 auffällige Stellen gefunden und repariert“, erzählt Samir Azzouzi, Geschäftsführer von EKR-Netz-Management.

Präventive Netzüberwachung senkt Kosten und Wärmeverluste

Genau darin liegt der Unterschied zwischen bloßer Schadensbehebung und vorausschauender Netzführung: Wird eine Schwachstelle früh erkannt, lässt sie sich mit vergleichsweise geringem Aufwand sanieren. Bleibt sie dagegen unentdeckt, kann sich Feuchtigkeit über Jahre in der Dämmung ausbreiten, die Isolierwirkung verschlechtern und schließlich zu deutlich höheren Wärmeverlusten und aufwendigen Reparaturen führen. Regelmäßige Kontrollen sorgen dafür, dass Fehler früh erkannt werden, solange sie noch klein sind und mit überschaubarem Aufwand behoben werden können. Das erhöht nicht nur die Wirtschaftlichkeit, sondern auch die Versorgungssicherheit und den sicheren Energietransport. Zugleich stärkt ein gut überwachtes und instand gehaltenes Netz das Image der Fernwärme insgesamt. Für Samir Azzouzi ist das der eigentliche Kern wirtschaftlicher Netzführung. „Mehr als 50 Prozent des Kapitals einer Fernwärme liegt unter der Erde.“ Wer diesen Teil des Systems vernachlässigt, riskiert hohe Verluste, unnötige Grabungen und vermeidbare Folgekosten. Eine Netzdiagnose koste oft nur einen Bruchteil dessen, was ein bereits eingetretener Schaden samt Wasserverlust und Reparatur nach sich ziehen könne. Als beispielhafte Größenordnung nennt Samir Azzouzi rund 3.000 Euro für eine Leckortung, während ein eingetretener Schaden inklusive Wasserverlust rasch mit mehreren zehntausend Euro zu Buche schlagen kann. Warnsignale aus Leckwarnsystemen dürfen deshalb nicht einfach ignoriert werden. Prävention ist daher keine Zusatzaufgabe, sondern betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.

Wasser spritzt aus einer beschädigten, isolierten Rohrleitung in einer erdigen Baugrube; akuter Rohrbruch und Wasserschaden.
Eine Leckage wie diese verursacht unmittelbare Wärme- und Wasserverluste. Frühzeitige Ortung und regelmäßige Netzüberwachung helfen, solche Schäden rasch zu beheben und größere Folgeschäden zu vermeiden.
© EKR-Netz-Management

Messbare Einsparungen durch konsequente Netzkontrolle

In Nikitsch hat sich dieser Zugang messbar ausgewirkt. Die Wärmeverluste konnten von 32 auf 24 Prozent gesenkt werden. Bei rund sechs Millionen Kilowattstunden, die jährlich ins Netz geliefert werden, ist das eine Größenordnung, die sich deutlich bemerkbar macht. Laut Karl Prikoszovich beläuft sich die jährliche Ersparnis auf rund 15.000 bis 18.000 Euro. Dass das Wärmenetz in Nikitsch besonders effizient arbeitet, sieht der Anlagenbetreuer auch durch Vergleichsdaten mit anderen Heizwerken im Osten Österreichs bestätigt. Für ihn zeigt sich daran sehr klar, worauf es im Betrieb wirklich ankommt. Mit einem humorvollen Vergleich bringt er es auf den Punkt: „Viele Betreiber denken zuerst an die Leistung des Kessels. Das ist ein bisschen wie bei Männern und Autos: Hauptsache stark. Aber viel wichtiger ist, dass im Netz möglichst wenig Wärme verloren geht.“

Leckortung erkennt Schäden frühzeitig und punktgenau

Schäden entstehen nicht nur durch Alterung oder schadhafte Muffen. Auch Fremdeinwirkungen, etwa bei Grabungsarbeiten von Elektrizitätswerken, Wasserverbänden, Telekommunikations- oder Glasfaseranbietern, können das Netz beschädigen. Hinzu kommen Montagefehler, etwa unsauber ausgeführte Muffen oder Mängel bei Netzerweiterungen. Umso wichtiger ist eine möglichst genaue Diagnose. Als Goldstandard gilt dabei das Laufzeit- bzw. Widerstandsmessverfahren, das einen guten Überblick über den Zustand des Leitungsnetzes ermöglicht und Fehler frühzeitig sowie mit hoher Genauigkeit eingrenzen kann, ohne das Netz entleeren zu müssen.

Leitungsnetze als entscheidender Wirtschaftsfaktor

Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat in Nikitsch den Blick auf das Netz grundlegend verändert. Heute wird das Leitungsnetz regelmäßig überprüft, laufend überwacht und bei Auffälligkeiten sofort genauer untersucht. Und dieses konsequente Nachfassen macht den Unterschied. Denn kleine Schäden bleiben unter der Erde lange unsichtbar, wirken sich aber dennoch auf Effizienz und Betriebskosten aus. Wer nur auf den Kessel schaut, übersieht leicht, dass der eigentliche Vermögenswert des Systems im Boden liegt. Dort entscheidet sich, wie viel der erzeugten Wärme tatsächlich beim Kunden ankommt. Dass dieser Weg funktioniert, zeigt die Fernwärme Nikitsch eindrucksvoll. Für Karl Prikoszovich ist die Entwicklung des Netzes das Ergebnis eines veränderten Verständnisses: Es geht nicht nur darum, Wärme zu erzeugen, sondern vor allem darum, Verluste zu vermeiden. Genau darin liegt die eigentliche Stärke eines wirtschaftlich geführten Fernwärmenetzes.

Erschienen in zek KOMMUNAL, Ausgabe 1/2026